25. September
Regionaltreffen in Hamburg
Geschichte erleben, Gemeinschaft spüren
Am 25. September 2026 führte uns das diesjährige Regionaltreffen in Hamburg zu den Stadthöfen – einem Ort, dessen Geschichte eng mit der Zeit des Nationalsozialismus verbunden ist. Inspiriert wurden wir bei der Wahl unseres diesjährigen Programms von einem Forschungsprojekt am Birklehof: Seit zwei Jahren beschäftigen sich Schülerinnen und Schüler der Oberstufe gemeinsam mit ihren Geschichtslehrkräften Marie Panizzi und Björn Grimm mit der Geschichte unserer Schule und der näheren Umgebung während der NS-Zeit. Ihre Spurensuche in Archiven und die Auseinandersetzung mit der eigenen Schulgeschichte regten uns dazu an, ebenfalls einen historischen Ort genauer kennenzulernen, und uns mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen.
Die Stadthöfe blicken auf eine lange Geschichte zurück. Das ursprünglich als Görtz-Palais errichtete Gebäude war 1710/11 das erste Haus am Neuen Wall und ging 1726 in den Besitz der Stadt über. Ab 1814 diente es als Polizeipräsidium. In der Zeit des Nationalsozialismus befanden sich hier die zentralen Dienststellen der Hamburger Polizei sowie die Leitstellen von Gestapo und Kriminalpolizei für Hamburg und große Teile Norddeutschlands. Von hier aus wurde die Verfolgung politischer Gegnerinnen und Gegner, jüdischer Menschen und vieler weiterer vom NS-Regime ausgegrenzter und verfolgter Gruppen organisiert. Unser Guide führte uns durch die wechselvolle Geschichte des Hauses und erläuterte, wie sich seine Nutzung im Laufe der Jahrhunderte verändert hatte. Dabei ging es auch um die Haltung der Bevölkerung gegenüber dem NS-Regime: Der anfänglich starke Widerstand flaute immer wieder ab und verlor zunehmend an Kraft. Besonders bewegend war der Moment im sogenannten Seufzergang, durch den die Gefangene von den Arrestzellen zu den Vernehmungsräumen der Gestapo gebracht wurden und in dem heute Berichte ehemaliger Gefangener anhört werden können. In diesem weitgehend im Originalzustand erhalten Gang zu stehen und die aufgezeichneten Berichte von Überlebenden zu hören, gab der Geschichte eine besondere Unmittelbarkeit. Hinter den historischen Fakten wurden einzelne Schicksale hörbar – Menschen, die Verfolgung und Gewalt erlebt hatten und davon Zeugnis ablegten. Dieser Moment hat uns vor Augen geführt, wie wichtig es ist, Erinnerungen wachzuhalten und den Stimmen der Betroffenen Gehör zu schenken. Heute verbinden die Stadthöfe Geschäfte und Gastronomie mit einem Geschichts- und Lernort, der an die Nutzung des Stadthauses während der NS-Zeit erinnert. Neben tiefergehenden Informationen zur Geschichte des Ortes machen hier die persönlichen Berichte und individuellen Schicksale die Vergangenheit auf besondere Weise zugänglich.
Unsere Gruppe war kleiner als ursprünglich geplant, da eine erste Grippewelle einige der angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwischt hatte. Umso mehr freuten wir uns über Besuch aus Hinterzarten: Die aktuell am Birklehof tätigen Lehrenden Frau Walker, Frau Wellmann und Herr Haut, die zu einer Tagung in Hamburg waren, stießen am Abend zu uns. So wurde aus dem historischen Rundgang auch ein Wiedersehen mit vertrauten Gesichtern und ein lebendiger Austausch zwischen unterschiedlichen Generationen und Perspektiven.
Wie bei unseren Regionaltreffen üblich, blieb es nicht bei den gemeinsamen Eindrücken des Tages. Es wurden alte und aktuelle Geschichten ausgetauscht, neue Kontakte geknüpft und bestehende Verbindungen vertieft. Der Birklehof-Geist war schnell wieder spürbar – in der Neugier aufeinander, im gemeinsamen Erinnern und in der Freude daran, miteinander im Gespräch zu bleiben.
Besonders schön zeigte sich dieser Geist zum Abschluss noch einmal auf unerwartete Weise. Um die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des gleichzeitig am Birklehof stattfindenden 24-Stunden-Laufs zu unterstützen, liefen wir auf Initiative von Frau Walker spontan zwei Runden durch die Stadthöfe. Wir filmten unsere Aktion und schickten das Video per Teams an die Birklehof-Gemeinschaft. Ein kleiner Gruß aus Hamburg, der uns mit dem Geschehen in Hinterzarten verband und zeigte, dass die Verbundenheit mit dem Birklehof auch über die räumliche Entfernung hinweg lebendig bleibt.
Text: Jule Voigt (Abiturjahrgang 2020) und Nino Virubova (Abiturjahrgang 1996)




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