21. Juli

Birklehof Backstage: Dr. Hentrich-Hesse im Interview

Dr. Hentrich-Hesse über seinen Sommer-Lehrauftrag an der Universität Freiburg

Was macht die Menschen am Birklehof eigentlich aus, wenn gerade kein Unterricht stattfindet? Mit unserer neuen Blogserie „Birklehof Backstage“ werfen wir einen Blick hinter die Kulissen und zeigen die vielen Facetten unserer Kolleginnen und Kollegen: Ehrenämter, besondere Sportarten, kulturelles Engagement oder wissenschaftliche Projekte.

Den Auftakt macht Herr Dr. Hentrich-Hesse. In den Sommerferien unterrichtet er an der Summer School des Sprachlehrinstituts der Universität Freiburg internationale Studierende in Deutsch als Fremdsprache. Im Interview berichtet er von intensivem Sprachunterricht, interkulturellen Begegnungen und der Freude am Lernen über Grenzen hinweg.

Birklehof: Herr Dr. Hentrich-Hesse, Sie sind in den Sommerferien am Sprachlehrinstitut der Universität Freiburg tätig. Was genau erwartet Sie dort?

Dr. Hentrich-Hesse: Ich freue mich auf einen intensiven Lehrauftrag im Rahmen der Summer School. Das Programm läuft über vier Wochen und verbindet Sprachunterricht, Übungen und kulturelle Angebote. Für mich ist das eine schöne Gelegenheit, mit motivierten Lernenden in einer konzentrierten und zugleich lebendigen Lernatmosphäre zu arbeiten.

Birklehof: Sommerferien verbinden viele Menschen eher mit Erholung als mit Unterricht. Warum haben Sie sich trotzdem für diesen Auftrag entschieden?

Dr. Hentrich-Hesse: Gerade weil die Sommerferien eine besondere Zeit sind, hat dieser Auftrag seinen Reiz. Die Teilnehmenden kommen freiwillig, sie sind interessiert und meist sehr engagiert. Außerdem ist die Arbeit in einer internationalen Gruppe fachlich anspruchsvoll und menschlich bereichernd. Ich empfinde das nicht als Belastung, sondern als produktive und inspirierende Aufgabe.

Birklehof: Was macht den intensiven DaF-Unterricht besonders herausfordernd?

Dr. Hentrich-Hesse: Eine große Herausforderung ist die Heterogenität der Lerngruppe. Die Teilnehmenden bringen sehr unterschiedliche sprachliche Voraussetzungen mit, arbeiten aber im selben kompakten Kursformat und möchten das Zielniveau B1.1 erreichen. Hinzu kommt der Zeitdruck: Viel Stoff muss in kurzer Zeit vermittelt, geübt und gefestigt werden. Deshalb braucht es klare Struktur, gute Binnendifferenzierung und ein hohes Maß an Flexibilität.

Birklehof: Wie gehen Sie mit diesen unterschiedlichen Lernvoraussetzungen um?

Dr. Hentrich-Hesse: Ich arbeite mit offenen und gestuften Aufgaben, damit alle auf ihrem Niveau produktiv lernen können. Hinzu kommt ein Kurs- und Arbeitsbuch, auf das die Studierenden zurückgreifen können, in dem auch Audio- und Filmmaterial zu finden ist. Wichtig ist, dass jeder Lernende sprachlich aktiv wird, ohne überfordert zu sein. Gleichzeitig versuche ich, durch Partnerarbeit, Gruppenphasen und gezielte Impulse eine gemeinsame Lerndynamik zu schaffen.

Birklehof: Welche Rolle spielt Kommunikation im Unterricht?

Dr. Hentrich-Hesse: Eine sehr große. Im DaF-Unterricht geht es nicht nur um Grammatik und Wortschatz, sondern vor allem um die Fähigkeit, Sprache in echten Situationen zu verwenden. Die Lernenden sollen sich mitteilen, nachfragen, reagieren und miteinander ins Gespräch kommen. Deshalb ist ein kommunikativer Unterricht besonders wichtig.

Birklehof: Gibt es im Intensivunterricht auch Probleme mit der Motivation?

Dr. Hentrich-Hesse: Ja, natürlich kann das passieren, vor allem wenn die Kurse dicht getaktet sind und die Anforderungen hoch erscheinen. Deshalb ist es wichtig, motivierende Aufgaben zu wählen und Lernfortschritte sichtbar zu machen. Kleine Erfolgserlebnisse helfen sehr dabei, die Lernbereitschaft aufrechtzuerhalten. Manche Studierende kämpfen am Anfang mit dem Jetlag und sollten eigentlich gerade ins Bett gehen oder schon schlafen. 

Birklehof: Welche Inhalte erwarten die Teilnehmenden konkret?

Dr. Hentrich-Hesse: Der Vormittag ist in der Regel dem Sprachunterricht gewidmet, also Lesen, Hören, Schreiben, Sprechen und Grammatik und dauert vier Stunden a 45 Minuten. Am Nachmittag kommen dann je nach Programm weitere Übungen oder Seminare hinzu, etwa zu Kultur, Literatur oder gesellschaftlichen Themen. Diese Verbindung von Sprachpraxis und inhaltlicher Vertiefung macht den Kurs besonders vielseitig.

Birklehof: Welche Bedeutung hat die kulturelle Komponente des Programms?

Dr. Hentrich-Hesse: Sie ist sehr wichtig. Sprache lernt man nicht im luftleeren Raum, sondern immer auch in Verbindung mit Kultur, Alltag und gesellschaftlichem Kontext. Ausflüge, Stadtführungen oder gemeinsame Aktivitäten helfen den Teilnehmenden, Freiburg und die Region kennenzulernen und sprachlich wie kulturell sicherer zu werden.

Birklehof: Was schätzen Sie persönlich an der Arbeit in Freiburg?

Dr. Hentrich-Hesse: Freiburg ist eine sehr lebendige Universitätsstadt mit einem offenen, internationalen Umfeld. Das schafft ideale Bedingungen für einen Sprachkurs, der nicht nur im Klassenzimmer stattfindet. Ich schätze besonders die Verbindung aus akademischem Anspruch, kultureller Vielfalt und persönlichem Austausch.

Birklehof: Welche Fähigkeiten sind für Lehrkräfte in einem solchen Intensivkurs besonders wichtig?

Dr. Hentrich-Hesse: Neben fachlicher Kompetenz braucht man Geduld, Organisationstalent und ein gutes Gespür für Gruppenprozesse. Lehrkräfte müssen flexibel auf spontane Fragen, Unsicherheiten oder unterschiedliche Lerntempi reagieren können. Ebenso wichtig ist es, eine positive Lernatmosphäre zu schaffen, in der Fehler als Teil des Lernprozesses verstanden werden.

Birklehof: Was unterscheidet diesen Lehrauftrag von einem normalen Schulunterricht?

Dr. Hentrich-Hesse: Der Intensivkurs ist kompakter, internationaler und viel stärker auf unmittelbare Sprachhandlung ausgerichtet. Im Schulalltag hat man meist mehr Zeit für langfristige Entwicklung, Wiederholung und Notengebung. Hier steht dagegen die konzentrierte Anwendung im Vordergrund, oft verbunden mit einem sehr direkten und praktischen Lernziel.

Birklehof: Worauf freuen Sie sich in den kommenden Wochen am meisten?

Dr. Hentrich-Hesse: Am meisten freue ich mich auf die Begegnungen mit den Teilnehmenden und auf die gemeinsame Arbeit an der Sprache. Es ist immer spannend zu sehen, wie schnell in einer motivierten Gruppe Fortschritte möglich sind. Außerdem ist es schön, wenn Lernen, interkultureller Austausch und Sommeratmosphäre zusammenkommen. In diesem Jahr kommen die Studierenden aus Nordamerika, Europa und Asien. In der Vergangenheit gab es auch Studierende aus Südamerika und manchmal sogar aus Afrika. Das Altersspektrum kann von SchülerInnen über Menschen, die im Arbeitsleben sind, bis hin zu Rentnern liegen. In der Regel sind es aber Studierende. 

Birklehof: Wenn Sie die Summer School in einem Satz beschreiben müssten, wie würde der lauten?

Birklehof: Es ist ein intensives, abwechslungsreiches und international geprägtes Sprachlernprogramm, das Unterricht, Kultur und Begegnung auf besondere Weise verbindet.

Fotos: Hanspeter Trefzer, Freiburg FWTM

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