27. Mai

Wenn Demokratie zum Lebenswerk wird

Schülerinnen und Schüler des Birklehofs bei der Verleihung des Theodor-Heuss-Preises in Stuttgart

Wie sieht gelebte Demokratie eigentlich aus? Vielleicht nicht so, wie man es zunächst erwartet: nicht distanziert und formell, sondern offen, nahbar und voller echter Begegnungen. Genau das durften wir bei der Verleihung des Theodor-Heuss-Preises in Stuttgart erleben.

Neben Politikerinnen und Politikern, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Aktivistinnen und Aktivisten saßen auch Schülerinnen Schüler im großen Saal des Rathauses – und konnten wie selbstverständlich ihre Fragen stellen, mitdiskutieren und eigene Perspektiven einbringen. Zwei Tage lang standen Austausch, gegenseitiges Zuhören und demokratische Werte im Mittelpunkt.

Am 17. April reiste eine Delegation des Birklehofs nach Stuttgart zur Verleihung des Theodor-Heuss-Preises. Die Auszeichnung zählt zu den bedeutendsten Ehrungen für demokratisches Engagement in Deutschland. Seit 1965 werden jährlich ein Hauptpreis sowie drei Medaillen an besonders engagierte Personen und Organisationen verliehen. Zu den früheren Ausgezeichneten gehören unter anderem Altbirklehofer Ernst Ulrich von Weizsäcker und der ehemalige Schulleiter Georg Picht.

Neben spannenden Gesprächen und Vorträgen von Expert:nnen und Experten aus Wissenschaft und Politik stand auch unser eigener Beitrag zum Kolloquium auf dem Programm. Denn seit einigen Jahren werden die Ausgezeichneten von Schülerinnen und Schüken vorgestellt. Dabei wechseln sich die Schulen Schloss Salem und der Birklehof ab.

Zum Kolloquium eingeladen sind neben den Schulen Birklehof und Schloss Salem auch Stuttgarter Schulen, Mitglieder des Kuratoriums sowie weitere Interessierte. Gemeinsam diskutieren sie über die ausgezeichneten Projekte und aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen. Ein großes Thema in diesem Jahr waren die hohen AfD-Werte in aktuellen Umfragen. Gerade bei solchen herausfordernden Fragen war es ermutigend, mit engagierten Demokratinnen und Demokraten ins Gespräch zu kommen – und sich gegenseitig Mut zu machen.

Besonders war in diesem Jahr außerdem, dass wir nicht nur die Hauptpreisträgerin Margrethe Vestager beim Kolloquium vorstellen durften, sondern auch an der feierlichen Preisverleihung teilnehmen konnten. Vestager, ehemalige EU-Kommissarin für Wettbewerb, hat maßgeblich an neuen europäischen Internetgesetzen mitgewirkt und war persönlich aus Dänemark angereist.

Zu den diesjährigen Medaillenträgern gehörten die Organisationen „Dorfliebe für Alle!“, die „Playing History GmbH“ sowie der YouTuber Marcant, der besonders vielen jüngeren Anwesenden bekannt war. Unter dem diesjährigen Motto „Die Zukunft gestalten – Chancen für eine demokratische Resilienz“ erschien uns diese Auswahl besonders passend, da alle Projekte gezielt junge Menschen und Familien ansprechen.

Besonders beeindruckt hat uns die Offenheit und Wertschätzung, mit der wir eingebunden wurden. Über die zwei Tage hinweg hatten wir die Möglichkeit, mit ganz unterschiedlichen Menschen ins Gespräch zu kommen – ob Professorin, Politiker oder Philanthropin. Dabei entstanden Begegnungen, die uns noch lange in Erinnerung bleiben werden. Der Moderator sprach von der „Theodor-Heuss-Familie“ – eine Beschreibung, die wir sehr treffend fanden.

Verbunden durch gemeinsame Werte und die Bereitschaft, Zeit und Engagement in den Dienst der Demokratie zu stellen, kommen hier Menschen zusammen, die Verantwortung übernehmen. Demokratie wirkt oft selbstverständlich – bis man selbst erlebt, wie viel Einsatz sie braucht. Dann wird sie zu einer persönlichen Aufgabe, vielleicht sogar zu einem Lebenswerk.

Die Geschichten der Ausgezeichneten waren inspirierend, gerade weil sie Menschen sind wie wir. Menschen, deren Beispiel Mut macht und zeigt, dass jede und jeder die Möglichkeit hat, sich einzubringen und etwas zu bewegen.

Dieser Gedanke wird uns sicher noch lange begleiten. Wir sind den Organisierenden, unserem Kollegium und allen Beteiligten sehr dankbar für diese besondere Erfahrung.

Fotos: Franz-Michael Schöbel, Rüdiger Hoff

Text: Feli (Sara Felicitas Schletter)

The Disconnect – Unsere Klasse 9a war für eine Woche offline

The Disconnect – Unsere Klasse 9a war für eine Woche offline

Beitrag lesen
Kontroverse Streitfragen und ein freudiges Wiedersehen

Kontroverse Streitfragen und ein freudiges Wiedersehen

Beitrag lesen