21. Mai
Der Garten: ein lebendiges Lehrbuch
Vielfältige Erfahrungen in einer scheinbar unspektakulären Arbeitsgemeinschaft
In der Garten-AG am Schule Birklehof lernen Schülerinnen und Schüler biologische, ökologische und praktische Zusammenhänge nicht nur theoretisch, sondern unmittelbar durch eigenes Tun.




Wer im Garten arbeitet, erlebt komplexe Zusammenhänge unmittelbar, beispielsweise den Wasserkreislauf: Regen versickert besser in lockerem Boden, wird dort gespeichert und steht Pflanzen später wieder zur Verfügung. Ein gesunder, offener Boden kann Wasser besser aufnehmen, Nährstoffe speichern und durch seinen Humusanteil auch Kohlenstoff binden. Gleichzeitig wird (wenigsten im heißen Sommer) spürbar, wie Wasser durch Pflanzen wieder verdunstet und damit Teil des natürlichen Kreislaufs bleibt.
Auch Stoffwechsel, Aggregatswechsel, Wachstum bleiben nicht abstrakt, sondern können beobachtet und begleitet werden. Früchte reifen nicht einfach „von selbst“ und sind nur saisonal verfügbar. Dass aus einer Blüte eine Frucht wird oder aus einer kleinen Pflanze über Jahre hinweg eine ertragreiche Staude, lässt sich im Garten unmittelbar nachvollziehen.
Zu den schönen Seiten gehört die andere: Welken, Absterben, Ruhephasen. Verregnete Tage, harter Körpereinsatz oder ausbleibender Erfolg. Schülerinnen und Schüler erleben, dass Natur weniger plan- und vorhersagbar ist als andere Bereiche, dass Lebensmittel nicht automatisch und jederzeit verfügbar sind. Sie erleben die Wirksamkeit von Zeit und Zuwendung – wesentliche Zutaten für ein gelingendes Leben und was wir auf dem Birklehof am liebsten unseren Schülerinnen und Schülern zugutekommen lassen.



Aktuell konnten unsere Schulgemeinschaft genau dies jetzt bei der ersten Rhabarberernte der Garten-AG erleben: Nach der Pflanzung muss Rhabarber zunächst zwei Jahre wachsen, bevor überhaupt geerntet werden darf. Die diesjährige AG konnte nun diese erste Ernte durchführen und anschließend direkt in der Rauchküche des Altbirkle zu leckerem Rhabarber-Crumble weiterverarbeiten. Für Thalia war das ein besonderer Moment: Seit drei Jahren engagiert sie sich in der Garten-AG und erlebt nun einen langfristigen Erfolg, an dessen Anfang sie selbst mitgewirkt hat.
Darin steckt ein wichtiger pädagogischer Gedanke: Nicht jede Arbeit führt sofort zum eigenen Nutzen – und trotzdem ist sie sinnvoll. Schülerinnen und Schüler erleben Selbstwirksamkeit, Verantwortung und gemeinschaftliches Handeln. Sie lernen, dass langfristiges Denken und kontinuierlicher Einsatz notwendig sind, damit etwas wachsen kann. Sichtbar wird das auch im sozialen Miteinander der Garten-AG. Aktuell arbeitet dort ein Schüler mit, der ursprünglich aufgrund disziplinarischer Maßnahmen zur AG gekommen ist. In der praktischen Arbeit erlebt er nun zum ersten Mal in diesem Schuljahr Anerkennung und Lob für das, was er tut. Bei der gemeinsamen Gartenarbeit taut er sichtbar auf, beginnt zu lächeln und kommt mit anderen Schülerinnen und Schülern ins Gespräch. Offensichtlich öffnet die konkrete, sinnstiftende Tätigkeit mit den Händen einen Zugang, den Unterricht oder Gespräche allein nicht immer erreichen.
Das Arbeiten mit den Händen schafft dabei eine andere Form des Lernens als reiner Unterricht im Klassenzimmer. Körperliche Tätigkeit, Konzentration und Ausdauer wirken ausgleichend und stressreduzierend. Statt kurzfristiger Ablenkung entstehen sinnvolle Tätigkeiten mit sichtbaren Ergebnissen: pflanzen, pflegen, ernten, verarbeiten. So wird am Birklehof Bildung verstanden: mit Hirn, Herz und Hand.
Bilder und Informationen: Andrea von Sengbusch
Text: Anja Biehler

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