Schreiner aus Leidenschaft mit pädagogischer Ader

Sebastian Faller leitet nicht nur die Schreinerei am Birklehof, mit den Schülerinnen und Schülern des Birklehofs konstruiert er auch Roboter und startet damit bei den Wettbewerben der First Lego League.

Das Reich von Sebastian Faller befindet sich etwas abseits des Internatsgeländes. Wer den Schreiner des Birklehofs besuchen möchte, muss die Bundesstraße unterqueren und zur Schreinerei gehen, einem Haus, in dem es nach einer Melange aus Holz, Sägemehl und Metall riecht. Erinnerungen werden wach an den Werkunterricht aus der 6. Klasse.

Unterricht der Klasse 8 mit Kunstlehrerin Claudia Kapp in der Schreinerei des Birklehofs: Schreinermeister Sebastian Faller zeigt den Schülerinnen und Schülern, wie man von Holz bearbeitet.

 

„Wie  in einem richtigen Betrieb“

Diese ersten Assoziationen trügen: Die Werkstatt von Sebastian Faller ist wahrlich nicht vergleichbar mit einem Werkraum für Sechstklässler, vor allem nicht im Hinblick auf die Qualität der Stücke, die hier entstehen. Im Keller der Werkstatt findet sich eine Sitzbank-Garnitur im Schwarzwald-Stil, gezimmert von Sebastian Faller für den Gemeinschaftsraum des Petersbaus, nur eines der vielen Projekte, an denen er für den Birklehof arbeitet.

„Ich kann hier wie in einem richtigen Betrieb handeln“, sagt Sebastian Faller. Kaum einer kann das so gut einschätzen wie er, seine Erfolge in seinem Beruf sprechen für sich: Nach einer Schreinerausbildung arbeitete er für drei Jahre als Geselle, ehe er an die Meisterschule ging, dort seinen Abschluss machte, dabei Innungsbester wurde und anschließend in einer Firma nicht nur als Werkstatt- und Produktionsleiter arbeitete, sondern auch als Ausbilder, ein Meister seines Fachs, der um seine Fähigkeiten nie Wirbel macht. „Besonders die Arbeit mit den Lehrlingen hat mir immer sehr viel Freude gemacht“, sagt er.

Begeisterung für sein Handwerk

Daran kann er am Birklehof anknüpfen: In der Schreiner-Arbeitsgemeinschaft führt er Schülerinnen und Schüler in sein Handwerk ein. Eine pädagogische Ader gehört zu Sebastian Faller genauso wie seine Begeisterung für seinen eigenen Beruf. Als Jugendlicher und junger Erwachsener war er in der katholischen Kirche als Gruppenleiter tätig, zeitweise wollte er Lehrer werden, aber der Hang zu seinem Traumberuf des Schreiners war stärker. „Mein Großvater hatte eine Schreinerwerkstatt und hat mich schon als Kind mit dem Handwerk vertraut gemacht.“ Seit vielen Jahren macht er das auch in einem privaten Großprojekt: bei der Restauration eines 400 Jahre alten Bauernhauses, in dem er mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen wohnt.

Neue Herausforderungen am Birklehof

Als er vor zwei Jahren als Schreiner am Birklehof anheuerte, war mit einem Mal beides möglich: seine Freude an seinem Beruf pflegen und seine Begeisterung für dieses Handwerk an junge Leute weitergeben. Dort wartete dann bald eine ganz neue Herausforderung auf ihn: die Betreuung und Anleitung einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern des plus-MINT Förderprogramms, die Roboter konstruieren und damit bei Wettbewerben im Rahmen der First Lego League antreten. „Ein Sprung ins kalte Wasser war das“, sagt Sebastian Faller über diese Aufgabe heute.

Tatsächlich spielt hier das Schreinern eine geringere Rolle, dafür umso mehr das strukturierte Herangehen an Problemen – Verhaltensweisen, die allerdings auch in seinem Beruf jeden Tag aufs Neue gefragt sind. Sie werden dem heimatverbundenen Schwarzwälder auch bei seiner neuesten Aufgabe als Politiker im Gemeinderat Breitnau von Nutzen sein.

 

Text: Peter Itzen

Bilder: Wolfgang Finke