Demokratie ist nicht nur eine Staats-, sondern auch eine Lebensform

Begleitet von Schulleiter Henrik Fass und Geschichtslehrer Dr. Peter Itzen hatten Schülerinnen und Schülern des Birklehofs am 10. Mai 2019 in Stuttgart an dem Kolloquium der Theodor Heuss -Stiftung mit deren diesjährigen Preis- und Medaillenträgern zum Thema „Jedem seine Demokratie? Keine Demokratie ohne Rechtsstaat!“ teilgenommen. In der Schulversammlung am Montag, 24. Juni 2019, berichteten sie darüber.

Zunächst stellte Christel Grünewald, Mitglied des Stiftungskuratoriums, die Theodor Heuss Stiftung und ihr Anliegen vor (siehe auch unten). Mit anschaulichen Beispielen aus dem Alltag der Schülerinnen und Schüler machte Christel Grünewald deutlich, dass Demokratie keinesfalls nur eine Staatsform, sondern auch eine Lebensform ist und jeder gefragt ist mitzugestalten. Das finge in der Schule an, z. B. bei der Mitwirkung im Klassenrat und der Wahl der Klassensprecher/-innen. Dass der frühere Schulleiter des Birklehofs Georg Picht 1965 der erste war, dem der Theodor Heuss Preis verliehen wurde, war für die Schülerschaft ebenfalls interessant, von ihr zu erfahren.

Geschichtslehrer Dr. Peter Itzen skizzierte der Schülerschaft ein Porträt von Theodor Heuss und hob dessen Rolle bei der Entstehung des Grundgesetzes und seine Bedeutung für die junge Demokratie der Bundesrepublik Deutschland als deren erster Bundespräsident hervor. Demian D., Clara F., Karim Q. (Klasse 11) und Clara W. (Klasse 10) berichteten von ihren Erfahrungen beim Besuch des Kolloquiums. Clara F. haben die ebenso originellen wie aufrüttelnden Ideen und Aktionen des mit einer Theodor Heuss Medaille ausgezeichneten Chemnitzer Kulturbündnisses „Hand in Hand“ beeindruckt. Die Initiative hätte ihr neue Wege für Problem- und Konfliktlösungen aufgezeigt und sie zum Nachdenken angeregt. Karim Q. stellte die ebenfalls mit einer Medaille ausgezeichnete Bürger- und Wählerbewegung „Operation Libero“ vor, die sich in der Schweiz für eine faire und weltoffene Gesellschaft, für Rechtsstaatlichkeit und gegen Fremdenfeindlichkeit einsetzt. Karim hat das Gespräch mit Laura Zimmermann, Co-Präsidentin des Vereins, sehr beeindruckt ebenso wie die Erfahrung, dass alle Geehrten und von Seiten der Stiftung Beteiligten so offen für Fragen und Gespräche gewesen seien. Clara W. stellte die dritte mit einer Medaille ausgezeichnete Studierendeninitiative „Refugee Law Clinic“ vor, in der Jurastudierende Geflüchtete beraten. Die 2007/08 gegründete Initiative ist in Deutschland inzwischen mit mehr als 50 Gruppen in mehr als 30 Städten vertreten. Clara W. fand die Gespräche mit den Vertretern der Organisation sehr aufschlussreich. Sie hat dadurch ein viel klareres Bild von deren Projekten erhalten als durch die Lektüre der im Internet veröffentlichten Informationen. Demian D. schließlich stellte die diesjährige Preisträgerin Małgorzata Gersdorf, oberste Richterin in Polen, vor, die zusammen mit weiteren Richterinnen und Richtern durch ein Gesetz zwangsweise in den vorzeitigen Ruhestand gedrängt werden sollte. Sie hielt dieses Gesetz für verfassungswidrig und ging weiter ihrer Tätigkeit nach. Eine Eilentscheidung des Europäischen Gerichtshofs gab ihr recht. Ebenfalls am Kolloquium teilgenommen hatten Isabel H. und Anna M. (Klasse 12), die wegen ihres Abiturs jedoch nicht an der Schulversammlung teilnehmen konnten.

Schulleiter Henrik Fass wies auf die große Aktualität und Dringlichkeit des Themas angesichts der Ermordung des Kommunalpolitikers Walter Lübke hin und hob nochmals die besonderen Mitspracherechte und Mitwirkungsmöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler am Birklehof hervor. Er freute sich, von den sehr positiven Rückmeldungen der anderen Kolloquiumsteilnehmerinnen und -teilnehmern zu den engagierten, guten Beiträgen und dem nachhaltigen Interesse der Birklehof-Schülerinnen und -Schüler berichten zu können.

Dass die Stiftung Schulen – inzwischen drei – zu dem die Preisverleihung begleitenden Kolloquium einlädt, beruht auf einer Initiative von Christel Grünenwald. Vor drei Jahren nahm der Birklehof zum ersten Mal mit einer Schülerdelegation an dem Kolloquium teil.

Die überparteiliche Theodor Heuss Stiftung wurde 1964 von Hildegard Hamm-Brücher und Freunden des 1. Bundespräsidenten gegründet. Die Stiftung vergibt seit 1965 den Theodor Heuss Preis und die Theodor Heuss Medaillen für demokratisches Handeln und Zivilcourage und will damit bürgerschaftliches Engagement würdigen und stärken und Demokratie las Lebensform sichtbar machen. Mit den Jahresthemen zeigt die Stiftung wichtige demokratiepolitische Entwicklungen auf und trägt zu einem offenen, gesellschaftlichen Diskurs bei.