Forschen, Netzwerken, die Gemeinschaft genießen: das plus-MINT Camp vom 20.- 22. März‘19 am Birklehof

Es wird gesägt, es wird geschraubt und gebohrt. Menschen eilen von einem Tisch zum nächsten, überprüfen Messwerte, löten umsichtig Kontaktstellen. Eine Frau steht am Rande des Raums, behält die Übersicht, hilft aus, kontrolliert die Arbeitsabläufe. Es herrscht fast dieselbe konzentrierte Atmosphäre, wie man sie sich in südwestdeutschen mittelständischen Betrieb vorstellt. Tatsächlich könnten aus den jungen Menschen, die hier konzentriert zusammen arbeiten, später einmal Ingenieurinnen und Ingenieure werden. Noch sind es Schülerinnen und Schüler, die aus einem Kondensator einen Tongenerator bauen und gestalten, und die Frau, die alles zusammenhält, ist Irina Küsters, plus-MINT Koordinatorin des Birklehofs und Leiterin der Kursstufe. Sie ist begeistert von dem Arbeitsklima und den Fähigkeiten ihrer Schützlinge: „Diese Jugendlichen arbeiten wirklich extrem genau und strukturiert und sind zugleich kreativ bei Lösungssuchen und handwerklich sehr geschickt.“

Es sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am plus-MINT Programm des Birklehofs, der Landesschule Pforta, des Internats Louisenlunds und der Schule Sankt Afra, die sich kürzlich nun schon zum dritten Mal zum plus-MINT Camp trafen, um sich drei Tage intensiv mit Technik und Ingenieurswesen zu beschäftigen. Und das nicht nur im Werkraum, sondern auch mit viel passender Theorie.

Theorie – das bedeutet vor allem: Forschung hautnah erleben, nicht aus Schulbüchern, sondern von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die den jungen Menschen einen Einblick in ihre Forschungen geben konnten. So im Freiburger Materialforschungszentrum, wo die Schülerinnen und Schüler am ersten Tag ihres Camps einen Blick werfen durften in die Werkstätten der Wissenschaft: in die Labore. In Vorträgen über Solarzellenforschung und über die Nutzung synthetischer Kraftstoffen erfuhren sie zudem, mit welchen komplexen Problemen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konfrontiert sind, wenn sie nach Wegen suchen zu mehr Nachhaltigkeit. Zugleich zeigten die Beispiele, dass Forschung sich nicht immer nur mit abstrakten Konzepten beschäftigt, sondern oft praktisch anwendbar sein kann.

Faszinierend war auch der Besuch in der Hahn-Schickard-Gesellschaft, einer wissenschaftlichen Einrichtung auf dem Campus der Technischen Fakultät der Universität Freiburg. Bio-Printing – eine Technik, die später in der Medizin den Ersatz von erkrankten Organen ermöglichen könnte –, modernste 3D-Drucktechnik und die Arbeit mit dem Rasterelektronenmikroskop lernten die Jugendlichen kennen: „Sie durften zum Teil sogar selbst an die wissenschaftlichen Geräte heran und die Arbeit an ihnen ausprobieren“, sagt Irina Küsters. Die Interaktion zwischen den technikbegeisterten Jugendlichen mit den Forscherinnen und Forschern sei ohnehin ein wesentlicher Gewinn des Camps gewesen: „Die Schüler sind mit ihnen richtig intensiv ins Gespräch gekommen und haben auf hohem Niveau Fragen gestellt“.

Nach dem Ausflug in die Wissenschaft nahmen die jungen plus-MINTler am Profilabend des technisch orientierten Schulfaches NwT teil, bei dem Schülerinnen und Schüler des Birklehofs Projekte aus ihrem Unterricht vorstellten, ehe sie am Freitag sich schließlich selbst an die praktische Arbeit machen – und dabei auch einen Teil ihrer neuen Kenntnisse anwendeten. Selbstlernskripte aus der Feder von Irina Küsters machten sie mit ihrer Aufgabe vertraut, der Birklehofer Lehrer Carsten Vogelgesang war zudem als Physiker in die Vorbereitung eingebunden gewesen.

Produktiv und fröhlich: So war die Stimmung nicht nur unter den Schülerinnen und Schülern. Denn zum Workshop waren auch Lehrer aus den drei Partnerschulen angereist, hielten den Schülerinnen und Schülern Präsentationen, unterstützten sie bei ihren Aufgaben während des Camps – und betreuten sie abends in der Jugendherberge Veltishof, wo sich die jungen Plus-Mintler über ihre Erlebnisse austauschen – und in selbstgeplanten Spieleabenden zugleich Vorurteile gegenüber naturwissenschaftlich begeisterten Jugendlichen widerlegen konnten. „Es war für uns toll zu sehen, nicht nur wie naturwissenschaftlich begabt, sondern auch wie kreativ diese Schülerinnen und Schüler sind“, berichtet Irina Küsters. Genau darum gehe es bei Plus-MINT: um umfassende Talentförderung. Und darum, untereinander Netzwerke zu bilden und voneinander zu lernen, Ziele, die sich in einem Internat besonders gut erreichen ließen: „Wir wollen bei dem Camp Talente zusammenbringen, Spaß an der Forschung vermitteln und schulübergreifende Projekte anstoßen.“ Im Herbst 2020 wird das am Birklehof das nächste Mal zu erleben sein, direkt am Anschluss an den plus-MINT Kongress, bei dem sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Vertreterinnen und Vertreter aus dem Mittelstand vor Schülerpublikum die Klinke in die Hand geben werden.

 

 

Text: Peter Itzen
Bilder: Irina Küsters