Gut miteinander im Gespräch sein – Thema der Elternversammlung beim Elterntreffen 2019

Begleiten und im Gespräch bleiben

„Wir kommen alle noch aus einer Zeit, in der Briefe, nicht Gespräche getippt wurden“, so wandte sich Elternbeiratsvorsitzender Christian Franz beim Elterntreffen an die versammelten Eltern. In Zeiten von Smartphones, ständige Erreichbarkeit und ganzen Bibliotheken einschließlich Lexika und Fahrplänen, die heutzutage fast jeder ständig mit sich herumträgt, habe der Dialog in keiner Weise an Bedeutung verloren. Die Entwicklung sei weder schlecht noch gut, darüber hinaus unumkehrbar und nicht wegzudenken. Wichtig sei deshalb, dass die Erwachsenen – Eltern wie Lehrende und Erziehende ‑ sich selbst informieren und die jungen Menschen begleiten und mit ihnen im Gespräch bleiben. Denn der Dialog befördert die Fähigkeit zur kritischen Selbstreflexion, die Horizonterweiterung und die Bereitschaft, die Argumente der Gegenseite nachzuvollziehen – wichtige Aspekte einer ganzheitlichen humanistischen Bildung. Christian Franz spricht aus eigener Erfahrung: Er hat den Birklehof selbst neun Jahre als Schüler besucht und hat sich, wie er sagte, immer gut aufgehoben und wohlgefühlt; entscheidend dafür sei die Art des Umgangs miteinander gewesen.

Für eine gute Gemeinschaft ist gute Kommunikation wichtig

Das Schülersprechertrio Charlotte (Klasse 10), Dean und Demian (Klasse 11) stellte ins Zentrum seiner Rede die Bedeutung der (Schul-)Gemeinschaft für das Leben jedes einzelnen am Birklehof. In Freundschaften die eigenen Bedürfnisse zugunsten anderer zurückzustellen und dabei die Balance zu finden zwischen Geben und Nehmen und in einer überschaubaren Gruppe ein starkes Wir-Gefühl zu entwickeln– beides erfordere gute Kommunikation untereinander. Aus ihrer Sicht tragen insbesondere das Integrationswochenende, der 24-Stundenlauf, die einmal pro Tertial stattfindenden, von der Schülerschaft organisierten Schwofs, der Weihnachtsmarkt und Sportturniere – die Birklehof-internen ebenso wie die Begegnungen mit anderen Schulen und Internaten – wesentlich zur Entstehung einer guten Schulgemeinschaft bei. Auch nicht wenige Dienste leisteten dazu ihren Beitrag, z. B. die von Schülern geleiteten Sportarbeitsgemeinschaften, der Dienst der Älteren bei Schülerinnen und Schülern der Orientierungsstufe im Unterhaus u. ä. Manches Mal eine Herausforderung sei aufgrund der verschiedenen Rollen die Beziehungsgestaltung mit den Erwachsenen: Ist mein Mentor im Unterricht noch mein Mentor oder in diesem Augenblick nur mein (Fach-)Lehrer? Um diese Klippen gut zu nehmen, sie ein intensiver Dialog nötig und wichtig. Hier sieht das Schülersprechertrio noch Optimierungsmöglichkeiten, wofür die drei sich in ihrer Amtszeit einsetzen wollen.

Das Projekt Altbirklehof

Da in diesem Jahr keine Elternbeiratswahlen anstanden, nutze Geschäftsführer Jens-Arne Buttkereit den zeitlichen Spielraum, um die versammelten Elternschaft über den aktuellen Stand des Sanierungsprojekts Altbirklehof zu informieren. Als drittältester im Original erhaltener Schwarzwaldhof sei der Altbirklehof nicht nur für den Birklehof, sondern für die gesamte Region von Bedeutung: „Man kann durchaus sagen: Was für Freiburg das Münster ist, ist für den Schwarzwald der Altbirklehof“. Nach jahrelanger Suche ist nun endlich eine finanzierbare Perspektive für das ehrwürdige Gebäude gefunden: Die Schule plant dort 2 Mitarbeiterwohnungen und 12 Internatszimmer. Der ältesten Teil – die alte Rauchküche, die Bauernstube und der Bauerngarten – wird nach der Sanierung der interessierten Öffentlichkeit im Rahmen eines Kulturprogramms zugänglich sein, das den Schwarzwald, sein Brauchtum und seine Traditionen mit allen Sinnen erfahrbar machen wird. Erste Ideen und Zusagen für dieses Programm präsentierte Schülervater, Schauspieler und Kabarettist Martin Wangler. Er wuchs in der Nachbarschaft des Birklehofs auf und kennt und liebt den alten Hof von Kindesbeinen an, ganz besonders die eindrucksvolle Atmosphäre der holzgetäfelten Stube mit Herrgottswinkel, großem Kachelofen und der rundum laufenden hölzernen Sitzbank. Als er vor ein paar Jahren hörte, dass der alte Hof mit großer Wahrscheinlichkeit mangels finanzierbarer Sanierungs- und Nutzungsperspektive verfallen gelassen bzw. abgerissen werden muss, wandte er sich an Schulleitung und Geschäftsführung und engagiert sich seitdem für dessen Rettung. Nach der Projektvorstellung stand eine Mutter spontan auf und bedankte sich bei den beiden für deren großen Einsatz für die Erhaltung dieses besonderen Gebäudes.

Round Square – die DNA des Birklehofs

Was ist Round Square und welche Aktivitäten gehören am Birklehof zu Round Square? Round Square Representative Oliver Bieber, Englisch- und Sportlehrer am Birklehof, machte deutlich, dass diese Frage nicht einfach zu beantworten sei, da „im Grunde alles, was wir am Birklehof machen, Round Square ist“. Das hängt mit Round-Square- und Birklehof-Gründer Kurt Hahn zusammen, dessen pädagogische Grundsätze Round Square genauso prägen wie den Birklehof, allem voran seine Überzeugung, dass das Lernen aus Erfahrung und durch die Übernahme von Verantwortung genauso wichtig ist wie das akademische Lernen, damit junge Menschen zu selbstbewussten und selbstkritischen Gestaltern nicht nur ihres eigenen Lebens, sondern auch der (globalen) Gesellschaft werden, in der sie leben. Auslandsaufenthalte, regionale (europaweit) und internationale (weltweit) Konferenzen, die Teilnahme an Abenteuer- und Hilfsprojekten sowie die Begleitung der Gastschülerinnen und -schüler vor Ort eröffnen Interessierten vielfältige Erfahrungsräume. Für Oliver Bieber steht Round Square damit für Begeisterung erleben, Neues entdecken, Wagnisse eingehen, sich von Neugier treiben lassen, Überzeugungen folgen, Freundschaften knüpfen, im Dialog stehen, Mitgefühl, Verständnis, Toleranz und internationale und interkulturelle Kommunikationsfähigkeit entwickeln. Zwei Mitglieder des Round Square Teams, Hanna und Ayumi, beide Klasse 12, berichteten von ihren vielfältigen, bereichernden Round Square Erfahrungen.

Hanna, schon immer neugierig auf andere Länder, Sprachen und Kulturen, ging bereits in der 7. Klasse auf ihre erste sogenannte Mini-Round-Square-Konferenz, bei der sich junge Menschen aus ganz Europa trafen. Für Hannah Krämer ein erstes, unvergessliches Erlebnis. Gefühlt musste sie unendlich lange warten, bis sie in der 10. Klasse endlich den heiß ersehnten Schüleraustausch nach Südafrika machen durfte, wo ihr Bruder 3 Jahre zuvor bereits gewesen ist. In der 11. Klasse folgte die Teilnahme an der großen Internationalen Round Square Konferenz in Ottawa/Kanada und ihr kontinuierliches Engagement bei der Betreuung der ausländischen Gastschüler am Birklehof. Sie hat zusammen mit Ayumi das Buddy-System entwickelt, das jedem Gastschüler einen Birklehofer als „Buddy“ an die Seite stellt, der sicherstellt, dass es dem Gast gut geht und bei Fragen und Schwierigkeiten weiterhilft. Hanna hat zudem den Ehrgeiz entwickelt, den Gästen in ihrer Zeit in Deutschland möglichst viel zu zeigen, in- wie außerhalb des Birklehofs.

Ayumi hat ihren Austausch in den Sommerferien absolviert, weil sie keinen Unterricht verpassen wollte. Nach einer Woche in Australien war sie so begeistert, dass sie später dorthin auswandern wollte. Durch die australische Schule hat sie ein ganz anderes System kennengelernt: Überall wurde mit Laptops gearbeitet, was ihr gefallen hat. Sie konnte sich ihren Stundenplan frei zusammenstellen und hat u. a. das Fach „Visual Communications“ belegt, das es in Deutschland nicht gibt. Insgesamt war ihr Aufenthalt eine tiefgreifende Erfahrung, durch die sie, wie sie sagt, offener, toleranter, mutiger und umfassender in ihrem Denken geworden sei. Auch sie war mit dabei auf der großen Konferenz in Ottawa, kümmert sich um die Gastschüler vor Ort und hat Treffen von Schülerinnen und Schüler der deutschen Round Square Schulen initiiert mit dem Ziel, sich intensiver auszutauschen und gemeinsam soziale Projekte auf die Beine zu stellen. Nach dem Abitur im Juni möchte sie ein sogenanntes „GAP-Year“ als Assistentin an verschiedenen Round Square Schulen absolvieren. Die Welt mit den Augen der anderen sehen lernen ist das, was sie antreibt und sucht.

„Jugend debattiert“

Zum Abschluss der Versammlung zeigten Isabelle (Klasse 12), Denise (Klasse 11), Clara (Klasse 10), und Mie (Klasse 9) den Eltern eine Debatte genau so, wie sie auch beim Wettbewerb „Jugend debattiert“ abläuft: Zunächst hat jede Debattantin 2 Minuten Zeit, ihre Ausgangsposition zu präsentieren, anschließend stehen 12 Minuten für den freien Austausch zur Verfügung. Am Ende ziehen die Debattantinnen in einem kurzen Abschlussstatement von je 1 Minute ihr Fazit aus der vorangegangenen Debatte. Die vier Bewertungskriterien beim Wettbewerb sind Sachkompetenz, Ausdrucksfähigkeit, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft. Das Debattenthema lautete: „Sollen die Schülerinnen und Schüler der Schule Birklehof verpflichtet sein, an einem Schüleraustausch teilzunehmen?“ Isabelle und Clara vertraten die Pro-Seite, Denise und Mie die Contra-Seite. Spannend zu sehen war, wie vielfältig die Argumente waren, die die Debattantinnen fanden und austauschten, wie gut sie aufeinander eingingen, Vorhergesagtes aufgriffen, um es zu verstärken oder zu entkräften. Vor und nach der Debatte holte Schulleiter Henrik Fass ein Meinungsbild bei den versammelten Eltern ein und lüftete zuletzt das Geheimnis, ob die Debattantinnen ihre jeweilige Position nur als Anwältin eingenommen hatten oder auch persönlich vertreten. Alle vier Schülerinnen sprachen sich persönlich gegen eine verpflichtende Teilnahme an einem Austausch aus. Das Hauptargument für sie war: Nur, wer aus eigenem Antrieb geht, bringt die Offenheit und Ausdauer mit, um all die guten, bereichernden Erfahrungen, die ein Austausch bereithält, zu machen und Schwierigkeiten, die sich auftun, zu überwinden. Wer gegen seinen Willen geht, macht diese Erfahrungen unter Umständen nicht und ist im schlimmsten Fall eine Belastung für die Gastgeber – Schule wie Familie ‑und auch kein guter verantwortungsbewusster Repräsentant für den entsendenden Birklehof.

Schulleiter Henrik Fass rundete das Thema mit ein paar Informationen zum Wettbewerb und zu den Debattier-Aktivitäten am Birklehof ab: „Jugend debattiert“ ist mit über 200.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der größte deutsche Bildungswettbewerb. Am Birklehof lernen alle Schülerinnen und Schüler der 8. Klasse im Deutschunterricht das Debattieren. Wer weitermachen will, geht in die von Henrik Fass geleitete Debattier-AG. Regelmäßig nehmen Birklehoferinnen und Birklehofer am Wettbewerb „Jugend debattiert“ teil. Isabelle und Mie haben sich vor 2 Wochen beim Regionalentscheid für den Landeswettbewerb qualifiziert.