Die Lust am Diskutieren

Im Regionalverbund Südschwarzwald treten Schüler verschiedener Gymnasien bei „Jugend debattiert“ am Birklehof gegeneinander an. Von Susanne Gilg, Fr, 08. Februar 2019 Hinterzarten

 

HINTERZARTEN/BREITNAU. Die Köpfe rauchen, die Worte fallen: Während vier Schüler über ein vorgegebenes Thema diskutieren, prüft eine Jury – auch bestehend aus Schülern – mit Argusaugen, wie diskutiert wird. Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft sind die vier Kriterien auf die es vor allem ankommt. All das ist Teil des Wettbewerbs „Jugend debattiert“. Am Birklehof fand diese Woche der Regionalwettbewerb statt.

Debattieren will und kann gelernt sein: Das haben die Schülerinnen und Schüler festgestellt, die am Wettbewerb „Jugend debattiert“ teilnehmen. Im Regionalwettbewerb am privaten Internat und Gymnasium Birklehof trafen Jugendliche vom Birklehof, vom Fürstenberg-Gymnasium in Donaueschingen, vom Gymnasium am Hoptbühl in Villingen-Schwenningen und vom Gymnasium Kenzingen in zwei Altersgruppen gegeneinander an. Zwischen 14 und 19 Uhr diskutierten sie über Fragen wie „Sollen mehr fremdsprachige Filme ohne deutschsprachige Synchronisation gezeigt werden?“ oder „Soll der öffentliche Busverkehr im Südschwarzwald zum nächstmöglichen Zeitpunkt auf Elektrobetrieb umgestellt werden?“.

„Elektrobusse könnten auch eine Vorbildfunktion haben“, findet Charlotte Mrosek. „Es ist zu teuer“, entgegnet Franziska Faller. In den einzelnen Debatten, an denen jeweils vier Schüler beteiligt sind, nimmt die eine Hälfte die Pro- und die andere Hälfte die Contra-Position ein.

„Wir haben am Sonntagmorgen um 9.50 Uhr unsere Themen erfahren“, berichten Anna Schraml und Mie Sticklus, die beide Schülerinnen am Birklehof sind. „Ich habe dann mit meiner Zimmerpartnerin darüber gesprochen, am Telefon mit meiner Mutter und das Internet habe ich auch genutzt“, sagt die 14-jährige Mie Sticklus.

„Wir haben uns auf Youtube auch das Bundesfinale angeschaut“, fügt Anna Schraml hinzu. Mit dem Klimawandel haben sich die beiden Schülerinnen schon oft in ihrer Freizeit auseinandergesetzt, doch das Thema Elektrobusse war für sie auch Neuland. „Auf Schulebene haben wir über Themen wie die Zeitumstellung diskutiert – das war etwas näher dran an unserer Lebenswelt“, sagt Anna Schraml, die Themen gut fände, die mehr Bezug zum eigenen Leben haben. Mie Sticklus würde zum Beispiel gerne über Tabak und Alkohol debattieren. „Da würde es leichter fallen, Argumente auf beiden Seiten zu finden.“

Nach Debatten auf Schulebene haben sie es in den Regionalentscheid geschafft, der diese Woche1408 für den Regionalverbund Südschwarzwald am Birklehof stattfand. Nächste Etappe ist für die im Regionalentscheid erfolgreichen Schüler der Landesentscheid in Stuttgart. Es gehe nicht nur darum, die eigene Position gut zu vertreten, sondern auch darum, anderen genau zuzuhören und andere Meinungen zu respektieren, so Schulleiter Henrik Fass. „Jugend debattiert“ wolle die jungen Rednerinnen und Redner dazu anregen, sich mit aktuellen gesellschaftspolitischen Themen intensiv auseinanderzusetzen.

Während Anna Schraml, Charlotte Mrosek, Claudia Böhm und Mie Sticklus nach ihrer Debatte über die Elektrobusse draußen warten, herrscht im Saal konzentrierte Atmosphäre: Die Jury berät, wer weiterkommt. „Ihr habt Euch teilweise ziemlich im Kreis gedreht, Ihr habt viel über Solarenergie geredet, obwohl das gar nicht das Thema war – vor allem aber schaut, dass Ihr die Zeit einhaltet“, lautet das generelle Fazit, bevor jede Schülerin einzeln bewertet wird. Für die Juroren gab es zuvor eine Schulung, um die anderen Jugendlichen bewerten zu können. Denn für „Jugend debattiert“ gelten klare Regeln: Pro Debatte vertreten je zwei Schüler die Pro- oder die Contra-Seite zu einer Streitfrage. Eine Debatte dauert 24 Minuten. Die vorgetragenen Argumente müssen die Jury überzeugen, um den Weg zur Landesebene zu öffnen.

Dass ein Stockwerk weiter oben die Altersstufe II noch heftig debattiert, berichtet Schulleiter Henrik Fass, als er nach unten kommt, um die Ergebnisse zu verkünden. „So manche Schweißperle rollt oben noch“, scherzt er. Er spricht von der Stärke des Wettbewerbs, zieht Vergleiche zum sportlichen Wettbewerb: „Hier messen wir uns eben im Sprechsport.“

Die jeweils zwei Schüler mit der höchsten Punktzahl aus jeder Altersgruppe haben das Landesfinale in Stuttgart erreicht.

Die Sieger: Altersgruppe I: Charlotte Mrosek, Gymnasium am Hoptbühl, Villingen-Schwenningen; Mie Sticklus, Birklehof; Tim Wiest, Gymnasium am Hoptbühl, Villingen-Schwenningen; Anna Schraml, Birklehof; Franziska Faller, Fürstenberg-Gymnasium, Donaueschingen; Claudia Böhm, Fürstenberg-Gymnasium, Donaueschingen; Altersgruppe II: Isabelle Hüglin, Birklehof; Marlene Bast, Gymnasium am Hoptbühl, Villingen-Schwenningen; Thomas Weidle, Gymnasium am Hoptbühl, Villingen-Schwenningen; Anselm Laurids Bordne, Gymnasium, Kenzingen.
Text: Susanne Gilg, Foto: Hanspeter Trefzer