„Musik muss man tun“ – Roman Babler über seine Leidenschaft als Musiker und Pädagoge

Roman Babler brennt. Für Musik, für Jugendliche, für Erziehung und Schule, für die Umwelt und ihre Zukunft, für die Wissenschaft. Aber auch für den Sport. Denn beinahe wäre Roman Babler nicht das geworden, was er heute ist und mit Leidenschaft macht: Fachbereichsleiter für Musik am Birklehof. Sondern Tennisspieler. Das war in den achtziger Jahren, ganz Westdeutschland war im Tennisfieber, und Roman Babler war noch nicht ganz klar, was er beruflich mit seinem Leben machen wollte. Er gehörte nicht zu denen, die nur aus Begeisterung für Boris Becker und Steffi Graf zum Tennisschläger griffen. „Ich habe schon auf Leistungssportniveau gespielt – mein Ziel war es, Tennistrainer zu werden“, erzählt er.

Dabei blieb es nicht. Und das verwundert nicht. Denn neben dem Sportler Roman Babler gab es immer auch den Musiker Roman Babler – und den Roman Babler, der eine Nähe zur Kirche empfand. Als Jugendlicher hatte er regelmäßig Orgel im Gottesdienst gespielt, nach dem Abitur studierte er zwei Semester Theologie. Aber dass diese Wissenschaft ihn nicht halten konnte, wurde ihm während seines späten Zivildienstes deutlich. Babler war Mitte zwanzig und arbeitete in einer Schule für Menschen mit geistiger Behinderung. „Von da an war ich mir sicher: Ich möchte mit Menschen arbeiten“, erinnert er sich. Seine Leidenschaft für die Musik war ungebrochen. Sie bot ihm genau diese Möglichkeit – mit Menschen zu arbeiten. Die Atmosphäre im Studiengang Kirchenmusik war ihm zu steif, zu wenig locker, „die Schulmusiker lagen mir einfach mehr“, berichtet er aus seiner Zeit als Student.

Dass es nicht nur diese Lockerheit der Schulmusiker war, die Roman Babler letztlich zum Musiklehrer werden ließ, wird schnell klar, wenn er von seiner Arbeit berichtet. Der Anspruch an sich selbst ist bei ihm enorm. Er möchte seinen Beruf nicht nur einfach gut ausüben, er möchte ihn umfassend begreifen – und tut viel dafür. Schon seit den neunziger Jahren befasst er sich intensiv mit neurobiologischen Forschungen, nimmt an mehrwöchigen Seminaren in den Vereinigten Staaten, in Italien und Portugal teil. Er will verstehen: Wie lernt jemand am besten Musik, und was verändert sich dabei bei einem Menschen? Seine Schlussfolgerung aus dieser intensiven theoretischen Beschäftigung: Musik ist etwas, was man tun muss! „Music theory is like talking about football“, sagt Roman Babler und muss über seinen Witz zwar ebenso lachen wie sein Zuhörer, meint es aber ernst.

Der Birklehof hatte mit diesem für die Sache brennenden Musiker und Pädagogen das erste Mal 1996 Kontakt. Roman Babler inszenierte damals in Hinterzarten Andrew Lloyd Webbers Musical „Joseph and the amazing technicolor dreamcoat”. Die Aufführungen wurden ein sensationeller Erfolg über Hinterzartens Grenzen hinaus, knapp 5000 Menschen kamen zu den Vorstellungen. Für Götz Plessing, damals Schulleiter des Birklehofs, stand fest: „Den brauchen wir hier am Birklehof!“

Seitdem arbeitet Roman Babler daran, die Theorie der Schulmusik am Birklehof Wirklichkeit werden zu lassen. Musik erleben, Musik selbst gestalten – das erleben alle Schülerinnen und Schüler immer wieder in der Schulversammlung des Birklehofs am Montagmorgen. Sie erleben es im Musik-Unterricht, und sie erleben es in MuK, dem besonderen Musik-Profilfach, das die Musik- und Kunstlehrer am Birklehof unterrichten und in dem, wie Roman Babler sagt, die Schüler „das Schöne, das Ästhetische, das Künstlerische“ erfahren und selbst erschaffen. Schülerinnen und Schüler lernen dabei oft auch noch den Roman Babler kennen, der für die Umwelt brennt, der Jugendlichen ein Bewusstsein für die Zukunft, für Gerechtigkeit mitgeben möchte. „Es ist etwas Besonderes, dass wir hier auf der Erde, auf unserem Kontinent sein dürfen, und ich will meine Zeit deshalb nicht verschwenden“, erklärt er dieses Engagement. Zorn steckt darin nicht, eher Entschlossenheit. „Mir macht das schon Spaß“, sagt Babler und lacht.

 

Text: Peter Itzen Foto: Hanspeter Trefzer