Organspende – Ein Thema mit vielen Fragezeichen

Schüler, Lehrer und Interessierte informieren sich in einem Dialog zum Thema Organspende mit dem Arzt Klaus Michael Lücking. Ein Bericht von Thomas Biniossek, Badische Zeitung – Freitag, 07. Dezember 2018, Breitnau

 

HINTERZARTEN/BREITNAU. Organspende – ein schwieriges Thema. Dazu ist es hochaktuell, nachdem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn einen Vorstoß unternommen hat, vom aktiven Ja zur Organspende zum doppelten Widerspruchsrecht wechseln zu wollen. „Jeder ist dann Spender, wenn er nicht aktiv widerspricht“, erläuterten die Zwölftklässlerinnen Anna Müller und Isabell Hüglin , ehe sich Dr. Klaus Michael Lücking, Transplantationsbeauftragter der Uniklinik Freiburg, den Fragen der über 120 Schüler, Lehrer und Besucher am Birklehof stellte.

Mehr als 10 000 Menschen warten alleine in Deutschland auf eine Organspende, erklärte Isabelle Hüglin, doch obwohl 81 Prozent der Deutschen zu einer Organspende bereit wären, hätte nur ein Drittel tatsächlich einen Organspenderausweis. „Das Hauptproblem ist jedoch nicht die Bereitschaft, Organe zu spenden, sondern die Organisation in den Kliniken“, ergänzte Anna Miller.

„Wer sich nicht für eine Organspende entscheidet, hat sich dagegen entschieden“, sagte Klaus Michael Lücking. In seiner kurzen Einführung machte der promovierte Kinderarzt kurz klar, was der Unterschied zwischen einer postmortalen (nach dem Tod) und einer Lebendspende ist.

Die Lebendspende von Leber und Nieren sei beschränkt auf das ganz enge persönliche Umfeld, bei der postmortalen Organspende von beispielsweise Herz, Lunge, Nieren, Dünndarm, Herzklappen, Knochen oder Gewebe gelte dies nicht. Er sei aber nicht an den Birklehof gekommen, um das Thema alleine aus seiner Sicht zu präsentieren, sondern wolle gerne in einen Dialog mit den jungen Erwachsenen treten, sagte der Arzt.

 

 

„Unabdingbare Voraussetzung für die postmortale Organspende ist zum einen der irreversible Hirnfunktionsausfall, landläufig als Hirntod bezeichnet“, sagte Klaus Michael Lücking. Zum zweiten müsse die Einverständniserklärung von Spendern und den Angehörigen vorliegen. Und zum dritten müsse eine Kontraindikation ausgeschlossen werden, um den Empfänger der Organe zu schützen.

„Die Widerspruchslösung impliziert, dass alle Menschen automatisch Spender sind. Es gibt aber in allen europäischen Ländern, in denen das gilt, keine harte Widerspruchslösung.

In allen Ländern werden vor der Organentnahme die Angehörigen gefragt“, machte der Fachmann deutlich. Klar machte der Arzt zudem, dass er die neu entflammte Diskussion um die Einführung der Widerspruchslösung nicht für zielführend hält. „In Spanien wurde die Widerspruchslösung in der 80er Jahren eingeführt. Und was ist passiert? Nichts.“ Erst strukturelle Änderungen in den Kliniken könnten zu mehr Organspendenoperationen führen.

Deutlich machte Klaus Michel Lücking zudem, dass kein Mensch in die Klinik als Organspender komme, sondern als Patient, dem es zu helfen gelte. Definiert worden sei 1968, dass der Hirntod ein „point of no return“ sei, auch wenn immer wieder gefragt werde, ob der Hirntod der Tod des personalen Menschen sei.

„Hirntod bedeutet, dass die Steuerung komplett ausgefallen ist, dass es keine Durchblutung des Gehirns mehr gibt. Das ist messbar“, so der Fachmann. Wenn es aber keine Informationen darüber gebe, ob der Verstorbene Organspender sei, dann würden keine Organe entnommen.

„Mit 14 Jahren kann man aktiv Nein zur Organspende sagen, mit 16 Jahren aktiv Ja“, klärte der Arzt weiter auf. Organhandel sei europaweit verboten und für eine postmortale Spende dürfe kein Geld genommen werden.

„Die gesamte Gesellschaft verdient an Organspenden“, machte er weiter deutlich, weil die Kosten der Krankenkassen beispielsweise durch dann nicht mehr nötige Dialysen gesenkt werden könnten. Und auf die Frage, wie lange man nach dem Hirntod Organe entnehmen könne, sagte Klaus Michael Lücking, dass es dazu kein hartes Zeitfenster gebe. „Auch nach dem festgestellten Hirntod kann man mit Intensivmedizin die Organe noch lange funktionsfähig halten“, fügte der Transplantationsbeauftragte hinzu.