Schüler helfen Schülern – 45 Jahre Projektarbeit für die Sahelzone am Birklehof

Als im Dezember 1973 hier in der Schule der 1. Weihnachtsmarkt stattgefunden hat, hat niemand annehmen können, dass sich daraus so ein Schülerprojekt entwickeln würde und schon gar nicht ein so langlebiges.

Dieses Jahr sind es also 45 Jahre, in denen immer am 1. Advent hier am Birklehof ein Weihnachtmarkt stattfindet. 45 Jahre – das ist ein halbrundes Jubiläum, 45 Jahre – das sind mehr als 5 Schüler-Generationen und ein mehrfach erneuertes Kollegium.

Während dieser langen Zeit wurde der Staffelstab immer weitergegeben: innerhalb der Schülerschaft wie auch im Kollegium. Solche, die sich bereits engagiert haben für das Projekt haben andere, die neu waren oder noch nicht mit der Idee vertraut, animiert und motiviert mitzumachen.

Als die Sahelzone in den 70er Jahren von einer schweren Dürre betroffen war und die Bilder von der Not der Menschen dort hier wahrgenommen wurden, wollte sich die damalige Schülergeneration engagieren und einen, zumindest kleinen, Beitrag leisten.

So kam die Idee auf, einen Weihnachtsmarkt zu veranstalten und den Erlös zu spenden. Gemeinsam mit unserem ehemaligen Kollegen, dem Religionslehrer Klaus Boersch haben sie die Initiative ergriffen. Die Idee wurde, wie die Fackel mit dem olympischen Feuer, von einer Schülergeneration auf die Nächste weitergetragen.

Unser Feuer – um im Bild zu bleiben – brennt noch immer und wir schauen, mit einigem Stolz auf diese 45 Jahre Projektarbeit zurück. Bis heute wird der Erlös des Weihnachtsmarktes für Projekte in den Ländern Niger, Mali und in den letzten Jahren verstärkt in Burkina Faso gespendet.

Die Probleme in vielen afrikanischen Ländern sind in den vergangenen Jahrzehnten nicht kleiner geworden sind, im Gegenteil:

  • Die gigantische Bevölkerungsexplosion.
  • Bewaffnete Konflikte.

–    Dürren werden sich aufgrund des Klimawandels vermutlich häufiger wiederholen.

–     Vielerorts herrscht Korruption.

–      Viele Länder leiden unter Handelsverträgen mit dem Norden, die die heimische     Landwirtschaft und die heimischen Märkte beeinträchtigen oder gar kaputt machen.

Es ist bekannt, dass in der Vergangenheit schon Unsummen an Geldern in Länder Afrikas geflossen sind, allerdings, oftmals ohne dort nennenswerte Veränderungen zu bringen. Die Ursachen für Armut und Not bleiben und werden durch Millionen-Geschenke noch verschärft, weil z.B. Eigeninitiative nicht aufkommen kann, bzw. Menschen dort aus der Verantwortung genommen werden.

So ging es auch beim letzten Afrika Gipfel, der vor einigen Wochen in Berlin stattgefunden hat und bei dem mehrere afrikanische Staatschefs und viele Top-Manager anwesend waren, um enorme Geldsummen. Die Bundesregierung hat der deutschen Wirtschaft eine Milliarde zusätzlich für die Förderung privater Investitionen in Afrika zugesagt. Die deutsche Wirtschaft freut sich, …wie dieses Programm sich in Afrika auswirken wird, bleibt abzuwarten.

Entwicklungs-und Menschenrechts- Organisationen sind skeptisch.

Sie befürchten, dass wirklich arme Länder nicht zu den Partnerländern gehören werden und dass die Armut dort nicht wirklich bekämpft werde.

Wir haben mit unserem Schülerprojekt natürlich vergleichsweise kleine, überschaubare Projekte unterstützt. Uns war immer wichtig, dass der Weg des von uns gespendeten Geldes nachvollziehbar war und es wurde immer darauf geachtet, dass wir mit den von uns unterstützten Projekten Hilfe zur Selbsthilfe ermöglicht haben.

In den viereinhalb Jahrzehnten unseres Engagements haben wir.

  • Brunnen finanziert    > Zugang zu sauberen Trinkwasser  > Gesundheit
  • Gesundheitszentren, bzw. Krankenstationen mitfinanziert > Zugang zu elementarer Gesundheitsversorgung zu ermöglichen
  • In den Bau von Klassenzimmern investiert > Zugang zu Bildung

Es darf durchaus die Frage gestellt werden: Was können so kleine Initiativen wie die unsrige dort überhaupt bewirken?

Es gibt ein Mut-Machendes Ereignis für das Gelingen einer ursprünglich kleinen Initiative:

Letzte Woche wurde der Alternative Nobelpreis an einen Mann aus Burkina Faso verliehen. Es ist der Bauer Yacouba Sawadago aus dem Dorf GOURGA im Norden Burkina Fasos.

Sawadago hatte viele Dürren erlebt und kannte die trockenen, ausgelaugten Böden, bevor er sich auf alte, vergessene Anbaumethoden besonnen hat. Vor 30 Jahren hat er begonnen, diese weiterzuentwickeln.

Dank seiner Methoden ist die Ernte um ein Vielfaches gestiegen, karge Böden wurden wieder fruchtbar und können landwirtschaftlich wieder genutzt werden.

Seine Methode war so erfolgreich, dass sie inzwischen auch in Mali und im Niger angewandt werden, auch dort gibt es wieder mehr Futterpflanzen, sogar der Grundwasserspiegel ist wieder angestiegen.

Ein englischer Dokumentarfilm nennt Sawadago  den „Mann, der die Wüste aufhielt“,  er habe „für den Sahel mehr getan, als alle internationalen Forschungsinstitute und Entwicklungsexperten zusammen.“

Dieses Beispiel Yacouba Sawadago ist deswegen Mut-machend, weil es zeigt, dass auch eine ursprünglich kleine Initiative mit Beharrlichkeit zum Erfolg führen und etwas Großes bewirken kann.

Wir spenden das von uns eingenommene Geld nicht den großen Hilfsorganisationen, sondern wir pflegen den Kontakt zu unseren Projektpartnern, die Projekte vor Ort initiieren und begleiten. Sie stellen für uns sicher, dass das Geld dem gedachten Verwendungszweck tatsächlich zukommt und sorgen dafür, dass die Projekte nachhaltig sind.

Heute hier bei uns ein sehr willkommener Gast:

Nelly Eklou, Tochter von Cathérine Eklou, Mitbegründerin eines Gesundheitszentrums in Ouagadougou. Sie hat uns darauf aufmerksam gemacht, in welchem Dorf es keine Grundschule gibt und wir daraufhin die Initiative ergriffen haben, den Bau einer Grundschule mitzufinanzieren.

 

 

Weihnachtsmarkt-Rede, Silvia Booz-Ebert, Vorsitzende Schülerprojekt Sahel e.V.

Bilder: Bettina Steffens