Schüler schäumen vor Ideen

BZ-Plus: Wie am Birklehof im Chemieunterricht Seife hergestellt wird. Von Susanne Gilg Fr, 23. November 2018

HINTERZARTEN/BREITNAU. Wie in der Provence riecht es an diesem Wintermorgen im Chemiesaal des Birklehofs, in dem die zehn Schüler der Klasse 9b rühren und Förmchen befüllen. Sie backen keine Plätzchen, sie stellen Seife her, die sie auf dem Birklehof-Weihnachtsmarkt am ersten Advent verkaufen. Rosen- und Lavendelblüten und ein feines Zitrusaroma verleihen den Seifen ihren Duft.

Mit ruhiger Hand träufelt Néné das Rosenöl in die flüssige Masse, aus der wenig später eine zart duftende Seife wird. Ihre Mitschülerin Meret hat zuvor schon Rosenblüten in die Masse gerührt, die ihre Chemielehrerin Vera Förschner im Sommer gesammelt und für die Seifenproduktion getrocknet hat. „Wow, wie das riecht“, ruft Meret, als sie den Duft der Masse tief einatmet.

„Alles, was mit Emotion, Freude und Spaß zu tun hat, findet bei mir im Chemieunterricht einen Platz“, sagt ihre Lehrerin Vera Förschner. Die Neuntklässler rühren eifrig, veredeln die Trockenmasse, die sie einschmelzen, entweder mit Lavendel- oder Rosenblüten, mit einem feinen Zitrusaroma, mit kleinen Sternchen, Tannen, mit bunter Farbe oder stempeln ein Motiv auf die Seifen.

Erst geben sie die Seifenstücke in ein Becherglas, während sie Wasser in einem Kochtopf oder einem zweiten Becherglas auf 60 Grad Celsius erhitzen, dann stellen sie das Becherglas mit den Seifenstücken ins Wasserbad und bringen die Seifenstücke durch Umrühren zum Schmelzen. Dann kommen – bei Bedarf – ein bis zwei Tropfen Farbe hinzu oder ein kleiner Tropfen Duftöl.

„Dann sollte die Lösung von der Kochplatte genommen werden und eine Minute abkühlen“, sagt Chemielehrerin Vera Förschner. Am Ende gießen die Schüler die abgekühlte Masse in die jeweiligen Silikonformen – nach rund 20 Minuten Trocknungszeit entstehen Herzen, Blumen, Sterne, Erdbeeren, Ananas oder kleine Vögel. „Das macht riesig Spaß“, sagt die 14 Jahre alte Meret. „Und auf dem Weihnachtsmarkt verkaufen wir die Seifen dann“, fügt die ein Jahr ältere Néné hinzu. „Wenn die Seifen fertig sind, füllen wir sie in Bonbontüten, die dann nach Gewicht auf dem Weihnachtsmarkt verkauft werden“, ergänzt Vera Förschner.

Neben den handgemachten Seifen werden am Sonntag, 2. Dezember, in der Zeit von 11 bis 17 Uhr noch weitere von den Schülern und Lehrern des Birklehofs hergestellte Produkte angeboten – Salze und Öle mit Kräutern aus dem hauseigenen Garten, Salben, Plätzchen, handgemachte Pralinen, Adventskränze und weihnachtliche Gegenstände aus Holz sind nur einige Beispiele. „Der traditionelle Weihnachtsmarkt ist eine der größten Gemeinschaftsaktivitäten in unserem jährlichen Schulleben“, sagt Bettina Steffens, die sich am Birklehof um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert.

Die Erlöse aus dem Weihnachtsmarkt am Birklehof fließen in das Sahel-Projekt, das in den vergangenen 40 Jahren in mehr als 50 Dörfern vor allem in Niger, Mali und Burkina Faso Brunnen, Schulen, Krankenstationen und Lehrwerkstätten für Jugendliche finanziert hat. Unter dem Motto „Schüler helfen Schülern“ veranstalten der Birklehof sowie die Grundschulen Hinterzarten und Breitnau seit 1974 jedes Jahr am ersten Advent den Weihnachtsmarkt.

Doch nicht nur Schüler, Lehrer und Personal des Internatsgymnasiums tragen zu dem Weihnachtsmarkt bei, auch Menschen aus der Region backen Kuchen und Kekse, kochen Marmelade, spenden Bücher, Kleidung und Spielsachen für den kleinen Flohmarkt. Auch Schmuck aus Afrika wird angeboten. „Beim Kasperletheater spielen Schüler für Kinder und auch eine besondere Taxifahrt über den Campus wird sicher spannend“, sagt Bettina Steffens.

Bis dahin werden die bunten Seifen fein säuberlich in die Bonbontüten verpackt sein – und einen Hauch von Provence in die Winterluft zaubern.

Weihnachtmarkt am Birklehof, Sonntag, 2. Dezember, 11 bis 17 Uhr.