Die Krönung meiner Round Square Unternehmungen

Die internationale Round Square Conference in Ottawa, Kanada

Bericht von Hanna, Klasse 12

Letzten Herbst durfte ich, mit einer kleinen Delegation, auf die große International-Round-Square-Konferenz nach Ottawa in Kanada fliegen. Es war die Krönung meiner verschiedenen Round-Square-Unternehmungen. Diese jährliche Konferenz besuchen alle Schulen, welche in dem Verbund Mitglied sind. Also Schülerinnen und Schüler aus der ganzen Welt.

Wir hatten vor der eigentlichen Konferenz noch eine Vortour. Montreal, Quebec und Sherbrooke waren unsere Ziele. Mitgekommen sind zwei Schulen von Südafrika, eine aus Melbourne und die Bishops College School aus Kanada. Die Aufregungen und Erwartungen waren von Anfang an zu spüren. Jeder war gierig darauf, etwas vom anderen zu erfahren. Diesmal war das Spektrum aber weltübergreifend. Unsere Vortour lief so schön ab, so dass sich die Gruppe selber Pretour-Family nannte.

Am Ashburry College angekommen ging es dann los. Ich wurde von den Schülermassen völlig überrannt. Es waren hunderte Schüler von Indien, Australien, Afrika und den USA zu sehen. Hier dachte ich mir das erste Mal: „Wow, Round Square ist noch größer als ich vermutet hatte.“ Der Lautstärkepegel war enorm. Daraus konnte man schließen, dass die Jugend offen und neugierig auf einander eingegangen ist. Es war unglaublich. Man bemerkte das jeder etwas verändern wollte, um die Welt eine bessere zu machen.

Round-Square hat bei solchen Konferenzen die Aufgabe, ihre Ideale allen Schüler zu vermitteln, damit diese sie bei sich daheim weitertragen.

Durch Refugees-Simulationen und Culture Days ist uns die Geschichte des Landes näher gebracht worden. Aber auch sogenannte Keynote-Speakers berichteten uns von ihren Erlebnissen und Ansichten, um uns zum Denken anzuregen. Personen wie ehemalige Olympioniken, Stammesangehörige aber auch die Frau des kanadischen Premierministers Sophie Trudeau. Sie sprach vor allem über den Feminismus und die Bildung auf der Welt. Alle Sprecher waren begeistert von Round-Square und ihren Schülern. Genau wie ich. Abschließend kann ich nur sagen: Round-Square war für mich ein phänomenales Erlebnis, das ich jedem empfehlen kann und möchte.

 

Jede Aktivität war etwas komplett Neues und hatte ihre eigene Bedeutung und ihren eigenen Platz, was unsere Erfahrungen so vielfältig hat werden lassen

Bericht von Claire, Klasse 11

Als es so weit war, nach Ottawa zu fahren, um an der Konferenz teilzunehmen, waren wir etwas traurig, uns von der Vortour verabschieden zu müssen. Zugleich waren wir alle neugierig zu erfahren, welche Erfahrungen wir in den nächsten Tagen sammeln würden. Was wir zu der Zeit noch nicht ganz realisieren konnten, war, wie groß diese Konferenz sein würde. Das meine ich nicht in Bezug auf die Anzahl der Menschen, obwohl ich an dieser Stelle sagen muss, dass sie riesig war, sondern eher in Bezug auf das Gefühl, das zumindest ich bekam, als sich das erste Mal alle in einem Raum versammelten. Es war besonders, weil alle ungefähr in meinem Alter waren. Sie kamen aus der ganzen Welt und jeder einzelne brachte eine andere Geschichte mit. Es war sehr aufregend.

Was diese Konferenz so speziell machte, waren auf jeden Fall die Menschen. Zwischen den vielen Aktivitäten, an denen wir teilgenommen haben, hatten wir auch viele Pausen. Man fühlte sich oft verpflichtet, mit anderen Leuten ins Gespräch zu kommen. Es war dort normal, zu jeder beliebigen Zeit irgendeine fremde Person anzusprechen. Man musste das auch nicht alleine machen. Immerhin kannten wir schon 20 andere Leute von der Vortour und wir hielten in dieser Gruppe bis zum letzten Tag zusammen. Wenn man sich einer neuen Person vorstellte, war es selbstverständlich, nicht nur seinen Namen, sondern auch sein Land anzugeben. So habe auch ich mich folgendermaßen vorgestellt: «Hi, I’m Claire, I’m from Germany, where are you from?» Mit den meisten begann man gleich, über alles Mögliche zu reden und zu diskutieren. Doch auch wenn ausnahmsweise jemand nicht ins Gespräch kommen wollte, hatte man durch diesen Versuch nichts verloren.

Damit wir uns nicht jeden Tag nur mit fremden Leuten unterhalten mussten, waren wir auch in Baraza Groups aufgeteilt. «Baraza» bedeutet auf Swahili «öffentlicher Treffpunkt» und in diesem Falle war das die Gruppe, mit der wir nach einer Aktivität reflektieren und uns austauschen konnten. Diesen Teil fand ich spannend, weil wir dabei lernten, wie andere Schüler aus anderen Kulturen die gleiche Übung oder Rede komplett anders wahrgenommen haben. So gewannen wir andere Blickwinkel und lernte am Ende viel aus dieser Übung.

Eine weitere Perspektive bekamen wir durch unsere Gastfamilien, die versuchten, uns ihr Leben in Kanada näherzubringen. Das Spannende hierbei war, dass wir auch in den Familien zusammen mit anderen, uns bis dahin noch unbekannten Konferenzteilnehmern untergebracht wurden. Meine Gastfamilie zum Beispiel kam aus China, die Eltern waren vor 16 Jahren nach Kanada ausgewandert. Die Familie hat noch zwei weitere Schüler aufgenommen. Außer mir, aus Deutschland, kam eine Schülerin aus Colorado in den Vereinigten Staaten und eine aus Kapstadt in Südafrika. Jeden Abend haben wir alle gemeinsam Spiele gespielt und einander von unseren Eindrücken erzählt.

Das Thema der Konferenz war «Bring your Difference» und es wurde jeder aufgefordert, seine Stärken mit einzubringen und gleichzeitig von denen anderer zu lernen. Inwieweit man sich an den Aktivitäten beteiligte und wie sehr man sich mit dem Thema beschäftigte, war jedem selbst überlassen, doch ich habe versucht, offen und neugierig an alles heranzugehen. Um der Konferenz eine Struktur zu geben, wurde jedem Tag ein Name, ein Thema zugewiesen. Alle Aktivitäten und Keynote Speaches an einem Tag handelten von dem jeweiligen Tagesthema. So hatten wir den Multicultural Day, den Indigenous Day, den Service Day, den Adventure Day und schließlich den «Explore Ottawa Day». Jedes Thema hatte etwas Aktives, Kommunikatives und Zwischenmenschliches in sich. Von einer Flüchtlingssimulation bis zum gemeinsamen Lernen indigener Tänze ‑ jede Aktivität war etwas komplett Neues und hatte ihre eigene Bedeutung und ihren eigenen Platz, was unsere Erfahrungen so vielfältig hat werden lassen.