„Was ich am Internat mag und was nicht“

Als ich die Frage gestellt bekam: „Was ich am Internat mag und was nicht“, fiel mir direkt die Nähe der Menschen zueinander ein. In meinen Augen ist das das wichtigste Thema überhaupt. Ich mag die Nähe und ich mag sie nicht. Das hört sich widersprüchlich an, aber ich erkläre es. Ein Bericht von Ayumi, Klasse 12.

 

Begleitung durch Mentor und Hauserwachsene

Das Internat und Gymnasium Birklehof begleitet mich, seitdem ich in die 8. Klasse gehe. Das ist für ein Internat schon überdurchschnittlich lang. Hier habe ich die Freiheit, in Begleitung mich täglich zu entwickeln, persönliche Erfolge und Misserfolge erfahren zu können und damit die Entwicklung zu einer erwachsenen Person zu durchlaufen.

Sehr wichtig bei meiner Entwicklung waren und sind die Lehrer, Hauserwachsenen (das sind die Betreuer im Internatsbereich) und natürlich der Mentor. Den Mentor bekommt man zunächst, wenn man an den Birklehof kommt, zugewiesen, und kann wechseln, wenn man sich eingelebt und die Erwachsenen kennengelernt hat. Der Mentor soll eine Bezugsperson sein, die für alles ein offenes Ohr hat, ob schulisch oder privat. Ich hatte das Glück, dass mir das widerfahren ist. Ich konnte komplett ehrlich sein, über alles reden und bekam immer ein offenes und ehrliches Feedback. Dieser Halt hat mir sehr geholfen, mich realistisch einzuschätzen und als Person eigenständig zu werden. Auch der Mentor gehört zum Lehrerkollegium. Am Birklehof haben die Lehrer keine „normale“ Lehrer-Rolle, das heißt sie unterrichten nicht nur. Sie begleiten dich täglich gefühlt 24 Stunden und helfen dir zu jeder Tageszeit.

Hier findet sich die schon angesprochene Nähe, die man auch mal nicht mag, denn wenn du mal eine Phase hast, in der du einen Lehrer nicht toll findest, kannst du ihm im Internat nachmittags, abends, in der Freizeit oder beim Essen nicht ausweichen. Aber für mich war es positiv: Ich habe dadurch zu vielen Lehrern ein sehr enges Verhältnis aufbauen können.

 

Schüler-Mentoren-Dienst

Da ich erst in der 8. Klasse zum Birklehof kam, habe ich leider keinen Schüler-Mentor gehabt. Jeder neue Unterstufen-Schüler der Klassen 5-7 kann sich einen Schüler-Mentor aussuchen oder wird selbst ausgesucht. Dieser Schüler- Mentor ist im Prinzip wie der erwachsene Mentor, der sich um alles kümmert, aber eben mit der Erfahrung und aus der Sicht eines Schüler, was manchmal das Leben deutlich erleichtert und Probleme verständlicher macht und sie manchmal als „Nicht-Problem“ identifiziert. Die Aufgabe als „Schüler-Mentor“ ist ein Dienst, und jede Schülerin und jeder Schüler bis zur 11. Klasse ist verpflichtet, einen Dienst zu machen, der dem Allgemeinwohl dient. Für mich ist dieser Dienst aber keine Last. Er stärkt das Pflichtbewusstsein und es macht richtig Spaß, sich um jemanden zu kümmern, für ihn zu sorgen und ihm Nähe zu geben.

 

Enge Freundschaften

Wenn du im Internat lebst, hast du immer jemanden um dich herum, egal zu welcher Uhrzeit. Diese Nähe ist etwas Tolles. Du bist nie allein, noch nicht einmal im Bad beim Abschminken. Deine Freunde sind immer bei dir und können dir helfen. Du kannst mit anderen lernen oder anderen helfen, mit ihnen Sport machen, mit ihnen essen, Quatsch machen oder mit ihnen Parties feiern. Alles kann spontan geregelt und arrangiert werden. Sich kurzfristig dazu entscheiden, am Abend mit den Leuten aus deinem Haus etwas zusammen zu machen, ist gar kein Problem.

 

Arbeitsgemeinschaften und Internationales Netzwerk Round Square

Außerdem gibt es Arbeitsgemeinschaften, die AGs. Fast jede Stufe und Altersklasse ist hier vertreten, und so hat man zusätzlich auch Kontakt zu anderen als zu seinen Freunden oder der Stufe. In den Arbeitsgemeinschaften können sich sehr starke Gemeinschaften entwickeln. Besondern in den sportorientierten AGs merkt man dieses häufig.

Zudem ist der Birklehof eine Round Square Schule und gibt damit Nähe zur ganzen Welt, was mich besonders geprägt hat. Round Square ist ein internationales weltweites Netzwerk von Schulen, die sich zum Ziel gesetzt haben, kulturellen Austausch zu fördern. Das erfolgt in individuellen Schüleraustauschen aber auch in internationalen Konferenzen und dieses Jahr hat der Birklehof ein Treffen auf nationaler Ebene gestartet. Alles durfte ich bis jetzt erleben. Für mich bedeutet das ganz besondere Weltoffenheit, die ich ohne den Birklehof nie erlebt hätte.

 

Wenig Rückzugsraum

Aber diese Nähe kann für manche Schüler auch manchmal zu viel sein. Nicht jeder traut sich alleine ins Ausland und manchmal ist es schwer, keine einzige Minute für sich allein zu haben. Man ist immer mitten im Trubel, ein permanentes Hallo, ein permanentes „Online“. Zuhause ist dieses anders, man hat diesen persönlichen Freiraum.

Für mich überwiegen die positiven Seiten der Nähe. Und deswegen kann ich sagen:
Der Birklehof ist weniger nur eine Schule für mich als eher ein Zuhause.

 

Ayumi Glass, Klasse 12