Eröffnungsrede zum Weihnachtsmarkt 2017

Silvia Booz, erste Vorsitzende des Vereins „Schülerprojekt Sahel e. V.“

 

Liebe Eltern, liebe Gäste, liebe Birklehoferinnen und Birklehofer,

ich begrüße Sie recht herzlich beim Weihnachtsmarkt am Birklehof.

Ich beginne mit Zahlen, die vor einigen Wochen von der UNESCO veröffentlicht wurden:

Im Jahr 2015 konnten weltweit geschätzt 264 Mio Kinder nicht zur Schule gehen. Die Zahlen haben sich seither nicht verbessert. Nach Einschätzung der UNESCO fehlen 33 Mrd. € weltweit für die Bildung.

Im Oktober legten das UN-Kinderhilfswerk UNICEF, die WHO und die Weltbank einen gemeinsamen Bericht vor.

Diesem Bericht zufolge starben im vergangenen Jahr 5,6 Mio. Kinder unter 5 Jahren, das bedeutet: 15 00 Kinder pro Tag. Und das – so zynisch es klingen mag- ist die gute Nachricht. Vor einigen Jahrzehnten waren es noch mehr als doppelt so viele. Dank einer besseren Gesundheitsversorgung ist die Sterblichkeitsrate deutlich zurückgegangen.

Die Kinder sterben an eigentlich gut behandelbaren Krankheiten: Lungenentzündungen, Durchfall- Erkrankungen, Malaria. Aber ihr Immunsytem ist geschwächt durch Unterernährung, verschmutztes Wasser und mangelnde Hygiene.

80% der Todesfälle von Kindern gibt es in Afrika in Ländern südlich der Sahara.

Dort hinken die Bemühungen um eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung gegenüber anderen Ländern hinterher – so der Bericht.

Diese Zahlen können und sollen uns nicht unberührt lassen.

Seit vielen Jahren beschäftigen wir uns mit unserer Projektarbeit mit diesen Themen. Seit über vier Jahrzehnten unterstützen wir nachhaltige Projekte in Ländern der Sahelzone, die mit Hilfe mutiger, kompetenter und erfahrener Partner vor Ort umgesetzt werden. Unser Bemühen zielt darauf ab, die Lebensbedingungen dort zu verbessern:

  • Menschen durch den Bau von Tiefbrunnen den Zugang zu sauberem Wasser zu ermöglichen
  • Verbesserung der medizinischen und hygienischen Versorgung durch die Einrichtung von Krankenstationen bzw. Gesundheitszentren
  • Zugang zu Bildung zu schaffen durch die Einrichtung von Schulen und Lehrwerkstätten

Wir wollen nicht einfach nur Geld hinschicken. Es fließt ja bekanntermaßen sehr viel Geld aus westlichen Staaten in afrikanische Länder. Es ist kein Geheimnis, dass viele dieser Gelder versickern oder in die falschen Hände geraten. Diese Kritik war gerade dieser Tage wieder zu vernehmen anlässlich des EU-Afrika-Gipfels in der Elfenbeinküste.

Deshalb ist es uns besonders wichtig, dort vor Ort Ansprechpartner zu haben, die überschaubare Projekte initiieren und begleiten und somit sicher stellen, dass das Geld dem gedachten Verwendungszweck tatsächlich zukommt und außerdem dafür sorgen, dass die Projekte nachhaltig sind.

 

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Ich freue mich sehr, heute zwei Gäste an meiner Seite zu haben. Beide stammen aus Burkina Faso, dem Land, in dem wir in den vergangenen Jahren Projekte gefördert haben.

Nelly Eklou:

Sie studiert in Freiburg. Stellvertretend für ihre Mutter: Cathérine Eklou arbeitet als Krankenschwester in Ouagadougou und Umgebung. Sie hat dort in den letzten Jahren ein Med. Zentrum aufgebaut, um Menschen, denen es sonst nicht möglich wäre, Zugang zu einer elementaren medizinischen Versorgung zu ermöglichen. Bei ihren Besuchen in den Dörfern der Umgebung vermittelt sie den Menschen grundlegende Maßnahmen zur Hygiene.

Für ihre Arbeit und für den Aufbau des Med.Zentrums haben wir schon mehrfach Geld aus dem Erlös des WM gespendet.

Darüber hinaus finanzieren wir mit ihr als Partnerin den Bau einer Schule mit 3 Klassenzimmern. Vergangenes Jahr haben wir den Bau des 1. Klassenzimmers finanziert. Im kommenden Jahr wird das nächste gebaut, wofür wir aus dem Erlös dieses Weihnachtsmarktes Geld überweisen wollen.

Passam Tiendrebeogo: lebt mit seiner Familie in der Nähe von Tuttlingen, hat dort ein Ingenieursbüro.

Er sagt von sich, dass er im Leben viel Glück gehabt habe. Er hatte die Möglichkeit in Burkina Faso die Schule zu besuchen, war im Internat und hat später in Deutschland studiert.

Das ist für ihn die Motivation, sich in seinem Heimatland zu engagieren. Aus dem Erlös, der aus dem von ihm organisierten Verkaufs von Mangos hier in der Umgebung erzielt wird, initiiert und organisiert er den Bau von Schulen in Burkina Faso.

Aus dem Erlös der letztjährigen WM haben wir ihm eine Summe überwiesen für den Bau eines Tiefbrunnens in einer Schule, die dort in naher Zukunft gebaut wird.

Beide, Frau Eklou und Herr Tiendrebeogo waren schon bei uns in der SV und haben von ihren Projekten berichtet. Für uns ist es ein großer Glücksfall, dass wir mit den Beiden Partner haben, die zum einen dort vor Ort sind, um die Projekte zu initiieren und zu begleiten, zum anderen aber auch zu uns zum Birklehof kommen und persönlich davon berichten können.

Durch die direkte Begegnung können Frau Eklou und Herr Tiendrebeogo unseren Schülerinnen und Schülern die Projekte anschaulich und greifbar machen. Unser Anliegen ist, dadurch ihr Interesse zu wecken und Kräfte freizusetzen, sich zu engagieren und durch ihr Engagement ein Stück Verantwortung zu übernehmen für die Eine Welt.

Vorweihnachtliche Märkte gibt es schon lange. Im 14 JH. kam der Brauch auf, Handwerkern wie Spielzeugmachern oder Zuckerbäckern zu erlauben, Verkaufsstände auf dem Markt zu errichten – so der Regensburger Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder.

Den Erfolg von Weihnachtsmärkten erklärt Hirschfelder damit, dass die Menschen auch im Zeitalter des Individuums nach Gemeinschaft suchten. Zudem vermittle der Weihnachtsmarkt das Gefühl, in eine romantische Welt einzutauchen, die mit positiven Kindheitserinnerungen verbunden ist, mit Gemütlichkeit, Gerüchen und Geräuschen.

Ich glaube, das kann uns heute vor der Kulisse der wunderbaren Winterlandschaft gut gelingen. Der Schnee verleiht dem Weihnachtsmarkt eine heimelige vorweihnachtliche Atmosphäre. Alle Ihre Sinne werden heute angesprochen.

Tauchen Sie ein in unseren gemütlichen Weihnachtmarkt, der sich wohltuend von der oftmals allzu kommerziellen Konkurrenz unterscheidet. Alles, was Sie heute hier erwerben können, ist von uns selbst gefertigt: Von den Schülerinnen und Schülern, von Kollegen, Eltern, den Mitarbeitern aus dem Handwerk oder es sind Spenden, die uns aus der Elternschaft, aus der Nachbarschaft oder von Menschen, die sich uns verbunden fühlen gespendet wurden.

Unseren Weihnachtsmarkt vorzubereiten ist für uns am Birklehof eine große und großartige Gemeinschaftsleistung. Es waren sehr viele Zuckerbäcker und -bäckerinnen am Werk, wir haben die Kurendesänger, Musiker sind unterwegs. Ihre Kinder können auf Ponys reiten können, eine Runde mit dem Motorradtaxi durch das Schulgebiet drehen oder zu jeder vollen Stunde das Kasperletheater besuchen.

Im Esssaal, im Kunstcafe und auch hier im Forum ist für Essen und Trinken gesorgt.