Musik als Teil der Persönlichkeitsbildung

Privatschulen und Internate im Fokus

Illustration: Eva Dietrich

Text: Claus Hönig

Quelle DIE ZEIT, Ausgabe vom 12. April 2017

 

»Ohne Musik wär’ alles nichts«, meinte einmal der Musiker und Komponist Wolfgang Amadeus Mozart. Das scheint auch das Motto in zahlreichen Internaten zu sein. Ein Beispiel ist die Schule Birklehof in Baden-Württemberg, in der 130 Kinder im Internat wohnen und 65 täglich aus der Umgebung dazukommen. Sie alle haben einen Begabungstest beziehungsweise ein Aufnahmegespräch erfolgreich absolviert. Und Musik spielt eine zentrale Rolle: 40 Prozent der Schülerinnen und Schüler entscheiden sich ab der 8. Klasse für das Profilfach Musik, in dem es auch um Tanz, Schauspielerei, Film und Bildende Künste geht. Je nach Jahrgang sind dann vier bis sieben Stunden Pflicht. Das scheint Erfolg zu haben. »Musik fördert die kulturelle Bildung, das logische Denken sowie die soziale Kompetenz«, hat Schulleiter Henrik Fass beobachtet. Das Absolvieren der internationalen ABRSM-Prüfungen in seinem Internat kann die Eintrittskarte für das Musikstudium sein. Das alles hat seinen Preis. Eltern, deren Kinder nicht in den Genuss eines Stipendiums kommen, zahlen jährlich 33 480 Euro.

Nicht ganz so tief ins Portmonee müssen Eltern greifen, die ihren Sprössling auf das Landesgymnasium für Musik Wernigerode schicken. Für Kinder aus Sachsen-Anhalt werden im Internat jährlich 2500 Euro fällig, für die aus anderen Bundesländern 3500 Euro. Den Rest der Kosten übernehmen das Land im Rahmen seiner Hochbegabtenförderung und ein Förderverein. Genommen wird, wer eine Eignungsprüfung besteht und »die Musik liebt«, sagt Schulleiter Dr. Detlef Gieseler. Das Ziel sei nicht, dass die Schülerinnen und Schüler später Berufsmusiker werden, sondern dass sie das Taktgefühl auch für andere Berufe wie Rechtsanwalt, Manager und Arzt entwickelten.

In Wernigerode sind von der 5. bis zur 12. Klasse insgesamt 150 Kinder im Internat untergebracht, weitere 150 reisen täglich an. Musiziert wird bis zu zehn Stunden wöchentlich und Musik ist auch ein verbindlicher Teil des schriftlichen Abiturs. Dürfen es da auch mal die Rolling Stones sein? Da ist Gieseler sportlich: »Lieber ein gut gespielter Titel von Mick Jagger und Keith Richardsals ein schlecht vorgetragenes Werk von Mozart.«