Ein kunterbuntes Spektakel erwartete 23 Birklehoferinnen und Birklehofer am letzten Samstagabend im Theater Freiburg. „Wir betraten den Saal und wurden sofort, noch stehend oder einen Platz auf den zu beiden Seiten aufgereihten Podesten suchend, vom Geschehen umringt, eingenommen. Die Darsteller liefen mitten durch uns Menschenmenge, zwei rangen lautstark miteinander wie auf einem mittelalterlichen Jahrmarkt“, so Christoph Abt, Englischlehrer der Schule Birklehof, der den Theaterbesuch initiiert hatte.

»Schlachten!« veranschaulichte in einem großen Bogen die Wiederkehr der Gewalt – von autoritär-repressiven Machttechniken bis hin zu den unsichtbaren Verführungsstrategien unserer Gegenwart. Während 400 Jahre nach Shakespeare von ihm inspirierte TV-Serien wie „House of Cards“ oder „Game of Thrones “ mittlerweile zur Unterhaltungskultur gehören, wagt sich Freiburger Stadttheater mit seiner Inszenierung an eine eigene, mutige Version einer großen Theaterlegende heran. Greller, kürzer, lauter, bunter, mehr Jahrmarktsunterhaltung statt Bürgerbesinnung. Die ursprüngliche Intention ist jedoch erhalten geblieben.

Ein Theaterabenteuer, das in einem Zug mit einem überschaubaren Ensemble spielbar ist, so dass jede neue Rolle die vergangenen mittransportieren konnte. Das Schlachten findet bei Lanoye – wie schon bei Shakespeare – durch Sprache statt: sie ist Ritual, Musik, Spiel, Maske oder Waffe, kann brechen und zerbrechen.

Kleiner Exkurs in die Vergangenheit: Ganz am Anfang seiner Karriere, vermutlich 1590/91, erfand William Shakespeare (1564 – 1616) mit Henry VI. das Genre des »history play«. Die geschichtliche Lage, in der er Bilder vergangener Dynastien entwirft, ist vielschichtig. Einerseits wirkten noch die Kräfte einer mittelalterlichen, aus heutiger Perspektive »barbarisch« oder »vor-staatlich« empfundenen Gesellschaft. Andererseits befand sich das britische Inselreich im Aufbruch zu einer Seefahrerexistenz, die in ihrem Ergebnis, der industriellen Revolution, das Empire, den Welthandel und letztlich den Kapitalismus begründen wird.

Politisch wurde das Land von einer Woge nationaler Euphorie nach dem Sieg über die spanische Armada bewegt. Gleichzeitig lag die Zukunft im Ungewissen, weil die kinderlose Königin Elisabeth keinen Thronfolger vorweisen konnte: „Challenges and choices in an insecure world“ (Abiturthema 2018).

Der Autor Tom Lanoye hatte die Königsdramen Shakespeares zu einer Art Familienaufstellung zusammengebunden. Das Böse, der Verrat, die Machtgier pflanzten sich fort von einer Generation zur nächsten. Die Streitigkeiten zwischen dem Haus Lancaster und dem Haus York begann mit dem Kampf zwischen Richard II. und Heinrich Bolingbroke, dem späteren König Heinrich dem Vierten, sie mündeten zwei Generationen später in das wütende Morden von Richard III., dem berühmtesten hinkenden Zyniker der Theatergeschichte.

Die Birklehof Schülerinnen und Schüler waren begeistert, die sechsstünde Spielzeit verging wie im Fluge, und schon auf der Rückfahrt zum Birklehof stand fest: „So etwas müssen wir bald mal wieder machen!“.

 

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Weitere Informationen siehe bitte Theater Freiburg wagt sich an Mammutprojekt „Schlachten“.