Wie war Ihr Praxissemester am Birklehof, Frau Pongratz?

Melanie Pongratz  studiert die Fächer Deutsch und Englisch für das Gymnasiallehramt. Sie hat am Birklehof ihr Praxissemester absolviert und wäre schon als junges Mädchen gern auf ein Internat gegangen.
In diesem Interview berichtet sie über ihre Erfahrungen im Unterricht und wie es war, im Internat zu leben.

Wie sind Sie auf die Schule Birklehof aufmerksam geworden?

Im Studium musste ich eine Präsentation über Kurt Hahn erstellen und bin in diesem Zusammenhang auf den Birklehof aufmerksam geworden. Als ich gesehen habe, dass der Birklehof  u.a. zu den Schulen gehört, die für ein Praktikum zugelassen sind, habe ich mich gleich beworben. Schon als Schülerin wäre ich gern aufs Internat gegangen. Ich fand das immer schon reizvoll, was vielleicht auch daran lag, dass ich ein absoluter Fan der Fernsehserie „Schloss Einstein“ war.

Ziel des Praktikums ist es, erste Lehrerfahrungen zu sammeln. Wir absolvieren 100 Hospitationsstunden, in denen wir dem Unterricht beisitzen und 30 Unterrichtsstunden, die wir selber halten. Dieses Praktikum soll uns Studenten noch einmal Gewissheit darüber geben, ob die Wahl des Lehrerberufs die richtige ist.

Wie sah Ihr Alltag aus am Birklehof?

Das Besondere an meinem Praktikum am Birklehof war für mich die Internatsarbeit. Ich bin seit vielen Jahren sehr aktiv in der christlichen Jugendarbeit, daher habe ich in diesem Bereich wichtige und wertvolle Erfahrungen einbringen können. Ich habe bei den Mädchen im Petersbau gewohnt und wir haben wirklich tolle Sachen miteinander unternommen.
Jeden Mittwoch war „PPA“, Pongratz´-Petersbau-Abend. Das war unser Event. Wir haben Crepes gebacken oder Film- und Spieleabende veranstaltet. Mir war sehr wichtig, dass sich die Mädchen als Haus- und Lebensgemeinschaft verstehen und zusammenhalten. Aber natürlich ging es auch einfach darum, miteinander Spaß zu haben und schöne Erfahrungen zu machen.

Ich fand dabei besonders interessant, wie intensiv das Zusammenleben in einer Internatsschule ist. An keiner anderen Schule kann man so viel Einfluss nehmen wie im Internat. Darin liegt eine hohe Verantwortung.

Die Hospitationsstunden waren sehr lehrreich. Ich war nicht einfach nur ein stiller Zuhörer, sondern hatte gezielte Aufgaben und Fragestellungen zu bearbeiten, die mir vorgegeben waren.

Was funktioniert gut im Unterricht? Wie geht der Lehrer gegebenenfalls mit Störungen um? Wo entwickelt sich eine hohe Schülermotivation? Mit diesen und ähnlichen Fragen bin ich in den Unterricht gegangen und habe mir die Antworten erarbeitet.

Sie wollten schon als junges Mädchen aufs Internat. Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?

Ja, auf jeden Fall. Ein Internat ist weiterhin für mich sehr faszinierend – auch wenn es nicht Schloß Einstein ist. Ich bin schon irgendwie ins kalte Wasser gesprungen weil ich gar nicht wusste, ob ich den Anforderungen an das Internatsleben gerecht werden kann. Neu war für mich die Erfahrung, so stark in der Erziehungsrolle zu sein – und nicht einfach als Lehrerin zu arbeiten.

An einer staatlichen Schule geht man morgens hin, hält seinen Unterricht und geht wieder nach Hause. Im Internat lebt man mit den Mädchen und Jungen zusammen. Man weckt sie, geht mit ihnen durch den Tag und bringt sie abends zu Bett. Wir haben uns richtig gut kennengelernt. Wenn man an einer Internatsschule arbeitet, muss man immer die richtige Balance zwischen Nähe und Distanz kennen. Das lernt man zwar an der Uni und in den Weiterbildungen, aber hier muss man es wirklich sicher anwenden können.

Was hat sich für Sie durch das Praktikum am Birklehof verändert?

Ich habe gemerkt, dass man als Lehrerin oder Lehrer eine gewisse Persönlichkeit mitbringen muss. Und für mich passt es, Lehrerin zu werden. Die Internatsarbeit würde ich gern mit meinem Lehrerberuf verbinden, weil ich ja schon viel Jugendarbeit mache. Mir ist wichtig, Jugendliche positiv zu prägen und ihnen gute Werte mitzugeben. Für mich persönlich sind das im Besonderen christliche Werte.

Besonders im Schulalltag durfte ich viel lernen. Jugendliche versuchen natürlich immer ihre Grenzen auszuloten – das gehört zum Erwachsenwerden einfach dazu. Da habe ich gelernt, wie wichtig es ist, aushalten zu können, dass ich eben nicht immer „Everybodys Darling“ sein kann.

Ich habe dabei  immer an meine eigene Pubertät gedacht – und da waren meine Eltern auch nicht immer die coolsten Leute der Welt. Und das war okay.

Der wertschätzende und trotzdem konsequente Umgang miteinander in solchen Situationen, stellt für mich den größten Lerneffekt meiner Birklehofzeit dar, weil ich schon eher Harmonie schätze. Dass ich mich auch ganz bewusst als Prellbock zur Verfügung stelle, an den die Schülerinnen und Schüler stoßen, war anfangs eine große Herausforderung für mich. Aber genau daran wachsen sie und werden zu mündigen und konfliktfähigen Erwachsenen.

Mit dem Kollegium zu leben und zu arbeiten war ebenfalls sehr spannend. Natürlich war da auch viel mehr Kontakt möglich als an einer staatlichen Schule, wenn man sich morgens beim Frühstück trifft und das Abendessen gemeinsam einnimmt.

Was ich als ganz besonders empfunden habe, war die Tatsache, dass wir stets freundlich als Praktikantinnen willkommen geheißen wurden und in vielseitigen Bereichen wertvolle Erfahrungen einbringen und sammeln konnten. Unsere Vorschläge wurden gehört, wir wurden gefragt, wir durften Verantwortung übernehmen. Ich habe all den Umgang als sehr wertschätzend empfunden. Auch Irina Küsters als Ausbildungsleiterin – ein Traum. Wir haben ein sehr gutes Feedback-Verfahren bei ihr gelernt, durften ihr Feedback geben zu ihrem Unterricht und haben selbst bereichernde Rückmeldungen erhalten.

Ich habe meine Zeit am Birklehof sehr genossen und bin sehr dankbar für das, was ich für das Leben gelernt habe und für den unverfälschten Blick, den ich auf das Internatsleben werfen durfte. Die Struktur und die Angebote am Birklehof sind überwältigend – man muss sich nur einmal das AG-Heft ansehen mit seinen vielen Angeboten – und dann diese ansprechende Aufmachung. Das zeigt ganz deutlich, wie wichtig all diese Dinge am Birklehof sind. Von der herrlichen Lage mitten im Schwarzwald ganz zu schweigen. Ich denke gern an meine Zeit am Birklehof und vermisse die Schüler schon.

Danke für das schöne Gespräch und viel Erfolg weiterhin!