Raus in die Wildnis – die Smartphones bleiben hier

Kurt Hahn, der unter anderem die Schule Schloss Salem und die Schule Birklehof gegründet hat, entwickelte gemeinsam mit Lawrence Holt im Jahr 1941 ein Programm mit dem Titel „Outward Bound“. Es wird mittlerweile an über 40 Outward-Bound-Schulen weltweit mit über 200.000 Teilnehmern jährlich durchgeführt.

Abfahrt-Outward-Bound-01Ziele sind unter anderem Teamfähigkeit zu trainieren, Zuversicht in die eigene Leistungsfähigkeit zu vermitteln und erste Leitungserfahrungen zu sammeln. Der Begriff „Outward Bound“ stammt aus der Seefahrt und beschreibt den Zustand eines Schiffes, das, fertig beladen und seetüchtig, bereit ist zum Auslaufen. Mit dieser Bezeichnung wollte Kurt Hahn auf die vergleichbare Situation junger Menschen hinweisen, die ebenfalls zunehmend bereit und in der Lage sind, die „Große Fahrt ins Leben“ anzutreten.

Outward Bound an den von Kurt Hahn gegründeten Schulen Salem und Birklehof

Als Round-Square-Schule, die 1932 von Kurt Hahn gegründet wurde, wird der Birklehof dieses Jahr allen Schülerinnen und Schülern der Klassen 10 dieses Outward-Bound-Programm zum ersten Mal anbieten. Im ersten Jahr der Durchführung orientiert sich der Birklehof  an der von Salem entwickelten Outward Bound-Version, in dem die charakteristischen Elemente des erlebnispädagogischen Konzeptes geschickt und mit viel Erfahrung umgesetzt wurden. Die Schule Birklehof bietet das Programm allerdings für die Zehntklässler an, da es das ab der 5. Klasse wöchentlich durchgeführte erlebnispädagogische Programm sinnvoll abrundet.  2015 fuhren einige Birklehof-Lehrer bei der Salemer Outward Bound Exkursion mit. Sie unterstützen das Team tatkräftig und erhielten dadurch wertvolle Einblicke, die sie bei der Planung der diesjährigen Fahrt nach Norwegen nutzen konnten. Der Birklehof ist dankbar für die Unterstützung und freut sich über die ersten Erfahrungsberichte unserer Schülerinnen und Schüler. Diese helfen uns bei der Planung für die im nächsten Jahr stattfindende Expedition, bei der eine andere ebenso eindrucksvolle Region Europas erkundet wird.

Die Rücksäcke sind gepackt

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Am letzten Sonntag war der große Tag der Abreise. Die Jugendlichen verbringen zwei Wochen in Norwegen im Rondane Nationalpark. Dieser bietet ein ideales Gelände für Outward-Bound-Expeditionen. Das in Norwegen geltende „Jedermannsrecht“ erlaubt es, frei zu campieren.Wilde Flüsse bieten sauberes Trinkwasser.

Ab in die Wildnis

In der ursprünglichen, nicht von Menschen geprägten Natur, die fern von Kommerz und städtischem Alltag ist, erleben die Jugendlichen intensiv, wie wertvoll es ist, unabhängig von modernen Medien und Luxus zu sein. In der unmittelbaren Begegnung und Auseinandersetzung mit der Natur werden sie dafür sensibilisiert, diese wertzuschätzen und sich für sie einzusetzen. Im Miteinander lernen sie Einfühlungsvermögen und gegenseitige Rücksichtnahme. Erst bei einer Unternehmung dieser Zeitdauer erfahren sie, wie wichtig körperliche Fitness ist und wie viel Freude Bewegung bringen kann.

Lernen fürs Leben

Die Schülerinnen und Schüler werden während der Wanderung in Rucksäcken alles bei sich tragen, was sie unterwegs brauchen und mit Karten und Kompass täglich neue Wege suchen. Dabei müssen die Gruppen nicht nur jede Wetterlage einkalkulieren und aushalten, sondern eigenverantwortlich alle Entscheidungen treffen, die das Leben in der Natur nötig macht – von der Wahl des Lagerplatzes bis zur Zubereitung der Mahlzeiten. Alle Gruppen werden sich selbst versorgen und in Zelten übernachten. In abendlichen Runden werden jeweils die Erfahrungen des Tages reflektiert und der nächste Tag geplant. Die Schüler werden im Vorfeld der Expedition im Umgang mit Karte und Kompass, Routenplanung und vielem mehr geschult, um dann wechselweise die Führung der Gruppe übernehmen zu können.

Erkenntnisse verarbeiten und reflektieren

Ergänzt wird das Gruppenerlebnis durch ein „Solo“, bei dem die Schülerinnen und Schüler 24 Stunden alleine verbringen und Gelegenheit haben, über sich und ihre Erfahrungen nachzudenken. Diese „Solos” finden unweit der Betreuer statt. Regelmäßige Kontrollen gewährleisten die Sicherheit.

Die Jugendlichen werden in drei Gruppen auf den von ihnen selbst gewählten Routen aufbrechen und sich am letzten Tag an einem gemeinsamen Zielpunkt das erste Mal wieder treffen. Jede Gruppe wird von drei qualifizierten und erfahrenen Erwachsenen der Schule Birklehof begleitet, die als Expeditionsleiter fungieren, sich aber soweit wie möglich im Hintergrund halten werden. Ein gebietskundiges Notfall-Team kann im Bedarfsfall logistisch und organisatorisch unterstützen.

Technische Geräte wie Smartphones oder mp3-Player dürfen nicht mitgenommen werden. Es gilt den Wert der unmittelbaren, echten Begegnung mit Mensch und Natur hervorzuheben und erlebbar zu machen.

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Ausbildung zum Wildnisführer

Neun Mitglieder des Kollegiums haben sich für die Norwegen-Fahrt im Rahmen einer 6-tägigen Fortbildung zum Wildnisführer ausbilden lassen. Themen waren unter anderem sogenannte Hardskills wie Materialkunde, Seiltechniken, Flussdurchquerungen, Orientierung, Wetterkunde, Lagerbau, Risiko- und Notfallmanagement. Damit die Gruppe sich bilden und als Team agieren kann sind auch Softskills wie Reflektions- und Feedbackverfahren, Gruppenführung und Team-Management unerlässlich. Die Inhalte wurden speziell auf die Bedürfnisse der geplanten Outward-Bound-Expedition zugeschnitten und bereiteten die Gruppenleiter/-innen auf Norwegen als Reiseziel vor.

Schon bald werden unsere Schülerinnen und Schüler von ihrer Expedition zurückkehren. Wir erwarten gespannt ihre Erlebnisberichte und werden diese hier im Birklehof-Blog veröffentlichen.


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Birklehof Studienwoche Farbigkeit 2