Ein Beitrag von Helge Halling

„Flucht – oder: Wer bin ich?“, so lautet der Titel des diesjährigen Stücks der Profilstufen-Theater-AG am Birklehof.

flucht1Unter der Leitung des Theaterpädagogen und Internatslehrers Helge Halling fand sich die Theater-AG erstmals im September 2015 zusammen.

Nach einigen theaterpädagogischen Grundeinheiten, Übungen zur Stimmbildung und Bühnenpräsenz, ging es langsam, aber sicher an die Erarbeitung eines Themas für die geplante Aufführung.

Von anfänglich noch siebzehn Schülern schrumpfte das Ensemble nach und nach auf acht Schülerinnen und Schüler zusammen. Dieser Prozess dauerte eine Weile, schärfte allerdings auch die Motivation derjenigen, die dabei blieben.

Bevor es so richtig mit dem Theaterspielen losgehen konnte, wurden Ideen entwickelt. Recht schnell war klar, dass das Ensemble ein ganz eigenes Stück auf die Bühne bringen wollte. Vom Thema, über die Texte, vom Erstellen des Plakats bis zur Inszenierung. Alles, was das Publikum letztendlich erreicht, sollte in Eigenregie entstehen.

Als erstes stand die Flucht, ein aktuelles, täglich in den Nachrichten erscheinendes Thema, zu dem jeder eine Meinung, aber viele nur eine vage Vermutung haben, was sich hinter ihr verbirgt.

Das Ensemble begann, angeleitet von Helge Halling, den Prozess des kreativen Schreibens. Prosa und Gedichte, Monologe und Dialoge wurden verfasst, verworfen, wieder aufgenommen und der Gruppe vorgeführt. Irgendwann merkten wir, dass es mehr brauchte, als nur ein aktuelles Thema, damit wir uns wirklich mit unserem entstehenden Stück identifizieren konnten. Es brauchte einen persönlichen Bezug.

Wer bin ich denn eigentlich auf dieser Welt?
Welche Flucht habe ich hinter mir und wenn ich meine Heimat verlassen müsste?
Was würde mir am meisten fehlen?

Neben der Sprache fand eine körperliche, choreographische Auseinandersetzung statt:
Was sagt eigentlich mein Körper dazu, wenn ich ihn der langen Reise, sei es in ein anderes Land oder der langen Reise zu den Antworten meiner ganz persönlichen Fragen aussetze?

Trotz der späten Probentermine nach langen Schultagen waren die Schülerinnen und Schüler mit viel Engagement und Motivation bei der Arbeit. Es sind beeindruckende Texte und Szenen entstanden, die zu einem collagenartigen, choreographischen Kurztheaterstück geworden sind.

Und doch steht nicht die eigentliche Präsentation im Mittelpunkt der Arbeit der vergangenen Monate, sondern die intensive Auseinandersetzung mit den eigenen Flüchten und Fragen.

Das klassische theaterpädagogische Ziel ist erreicht, wenn das Theater den Spielenden eine wichtige Erfahrung vermittelt und im besten Fall einen Denkprozess anstößt oder neue kreative Talente aufzeigt.

Die Zuschauerinnen und Zuschauer bekommen sozusagen nur die Spitze des Eisberges präsentiert, nämlich das, was von der Arbeit mehrer Monate als Essenz übrig geblieben ist.

Im Anschluss an die Aufführung wird es ein Expertengespräch mit den Darstellerinnen und Darstellern geben, zu dem wir herzlich einladen.