von Gwendolyn Wellmann und Nick Procyk:
Die heutige Aufführung der Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse im Musikprofil ist das Ergebnis kreativer Gruppenarbeit, zu der es nur eine Vorgabe gab: ein Musikstück. Ausgehend von der Suite „The Planets“ des englischen Komponisten Gustav Holst (1874-1934) – haben die Schülerinnen und Schüler in vielen kleinen Arbeitsschritten ihr eigenes Stück konzipiert und erarbeitet.

Am Anfang stand die Erschließung der einzelnen Sätze ausschließlich über das Gehör und die Umsetzung des Gehörten mit szenischen Ausdrucksmitteln. In kurzen Präsentationen eigneten sich die Schülerinnen und Schüler dann Hintergrundwissen über den Komponisten, die Merkmale von Programm- und Filmmusik, die Form der Suite, die Idee der Sphärenharmonie und die astrologischen Eigenschaften der Planeten an.

Im Unterricht kam bei rhythmischen Experimenten mit dem prägnanten Rhythmus zu Anfang des „Mars“-Satzes der Gedanke auf, mittels der Technik des „Phasing“ weitere musikalische Ideen zu entwickeln. „Phasing“ ist eine Kompositionstechnik der sogenannten „Minimal Music“ (Vertreter sind z.B. Steve Reich, Terry Riley oder Philip Glass), bei der dieselbe Stimme zunächst von allen Musikern gleichzeitig gespielt wird, sich dann aber nach und nach jeder Musiker zeitlich von der ursprünglichen Stimme wegbewegt („aus der Phase“) bis schließlich alle wieder „in Phase“ sind.Holst-Bild

Fortan dominierten zwei Ideen die Entwicklung des heute aufgeführten Gesamtkunstwerks: einerseits die Idee der Planeten (Sphärenharmonie, astrologische Eigenschaften), andererseits die Idee des Phasing im weiteren Sinne, d.h. das Spiel mit (Hör-)Erwartungen und der Frage: „Was bedeutet das? Muss es etwas bedeuten?“

Dieses Projekt war spannend für alle Beteiligten. Für uns Lehrer, weil wir dem Drang widerstehen wollten, zu viele Vorgaben zu machen, und für die Schüler, weil sie genau diese Vorgaben manchmal gern gehabt hätten, aber nicht bekamen. Resultat dessen war eine sehr kreative, maßgeblich von Schülerideen vorangetriebene Arbeit, bei der sich alle Gruppenmitglieder mit ihren unterschiedlichen Talenten eingebracht haben.