Reaching Beyond Our Limits- Round Square Conference 2011 Wellington College
Barbara, Birklehof-Schülerin der Kursstufe 2, berichtet rund um die Round-Square-Konferenz 2011:
Es ist 4.00 Uhr morgens. Jeder Birklehofer schlummert, wie man meint, friedlich in seinem Bett. Doch vier von ihnen wandern, mit Koffern und Taschen beladen, frischfröhlich über das Gelände, dem Sammeltaxi entgegen, das sie zusammen mit Herrn Kelnhofer, dem Verantwortlichen für das Round-Square-Programm, nach Basel zum Flughafen bringen soll. Genau dieses Programm ist der Grund für unsere nächtliche Abreise. Wie jedes Jahr hat auch in diesem Herbst wieder die große Konferenz stattgefunden, die die mittlerweile beinahe 80 Round-Square-Partnerschulen zusammenbringt.
Wie es die Tradition verlangt, machten wir uns allerdings erst einmal auf, das Land, in dem die Konferenz stattfand, gebührend zu erkunden und kennenzulernen. Zwar ist England, unser diesjähriges Ziel, sicherlich viel weniger exotisch als es Thailand letztes Jahr war, doch verbrachten wir vier Schüler zusammen mit Herrn Kelnhofer eine wunderbar gemütliche und kulturell höchst bereichernde Woche. Mit einem eher engen Auto, in das nur ganz knapp all unser Gepäck gezwängt werden konnte, fuhren wir quer durch das Land, von Ost nach West, und machten Halt an einigen sehenswerten Orten. Wir schauten uns das kleine Städtchen Gravesend, die Heimat Charles Dickens', an, besichtigten die berühmte Kathedrale in Canterbury, sahen die Magna Charta in Salisbury und entdeckten Stratford-upon-Avon, die Stadt Shakespeares, mit seinen hübschen Gässchen und dem nachgestellten „Globe Theatre“. Auch Stonehenge, der berühmte Steinkreis, wurde von uns gebührend ausgekundschaftet und Battle, die Stadt, in der durch William the Conqueror das England, das wir heute kennen, wohl seinen Anfang nahm, stand auch auf dem Programm. Die Tage waren bestimmt von langen Autofahrten, wie sie nun mal in England unvermeidlich sind, will man einiges in kurzer Zeit sehen, von Sandwiches aus dem bekannten Laden Marks & Spencer und vielen tollen Diskussionen, viel Spaß und Lachen. Selbst die äußerst englischen Jugendherbergen begannen zu unserer kleinen Reise dazuzugehören, und wir genossen die Abende in den Pubs der kleinen Städte und Dörfer sehr. Die letzten beiden Tage unserer Tour verbrachten wir schließlich in Oxford, einer überaus facettenreichen Universitätsstadt, die wir mit Freuden erforschten. Begeistert vom Esssaal im Christ Church College, in dem, so behaupten einige, Harry Potter gedreht worden sei, und überwältigt von den vielen Menschen in den Gassen und Geschäften, kosteten wir alle jede Minute unseres Aufenthaltes voll aus. Im Blackwells, einer der größten unterirdischen Büchereien der Welt, standen wir staunend, und gingen anschließend sogar im kleinen Oxforder Kino den Klassiker „Johnny English“ anschauen.
Doch der eigentliche Grund für uns, nach England zu reisen, kam erst noch: Die diesjährige Round-Square-Konferenz im Wellington College in der Nähe von London, einer sehr traditionellen englischen Schule, einst Militärakademie und heute eine Schule, die unserem Gymnasium gleichkommt. Ganz aufgeregt bezogen wir alle am ersten Tag unsere Zimmer und fingen sofort an, das Gelände auszukundschaften. Riesengroß ist wohl das Wort, das einem zuerst in den Sinn kam. Mit ca. 900 Schülern, einer eigenen Kirche, eigenem See, drei Sportplätzen und vielem mehr, lag Wellington College völlig außerhalb unserer Vorstellung eines Internates. Und noch etwas versetzte uns am ersten Abend in Aufregung: nämlich der königliche Besuch, der erwartet wurde. Ihre Majestät Königin Elisabeth von England kam, um die internationale Konferenz zu eröffnen! Auch diese Momente, die Menschenmassen, die mit Fähnchen winkend die Königin begrüßten, der Händedruck und die netten Fragen, mit denen sich Prinz Philip an mich wandte, werden mir und allen anderen Schülern sicherlich als eines der Highlights in Erinnerung bleiben. Ja, und dann, nach diesem unglaublichen Eröffnungsabend folgten fünf weitere spannende Tage mit Vorträgen bekannter Leute, wie Jasmine Whitbread, die die Organisation „Save the Children“ leitet, Colin Jackson, ein berühmter Hürdenläufer und ehemaliger Weltrekordhalter, und Karen Darke, die vor einigen Jahren bei einem Unfall ihre Beine verlor, heute aber für die anstehenden „Parolympics“ trainiert. Speziell für uns Jugendliche kam außerdem Melody Hossaini, eine junge iranischen Frau, die, frisch eingewandert in England und vor Ideen und Tatendrang nur so strotzend, in London das „Youth Parliament“ ins Leben gerufen hat. Nach diesen beeindruckenden Reden über den Versuch, eigene Grenzen zu überschreiten, die zudem auch Begriffe wie Glück, Liebe, Verantwortung und Mut thematisierten, versammelten wir uns in kleinere „Barazza“ Gruppen und diskutierten über unsere eigenen Vorstellungen.
Während der wunderbaren Woche im Wellington College erfuhren wir auch viel über die tatsächliche Administration und Hierarchie des Programmes „Round Square“ und waren so auch Teil vieler interessanter Projektvorstellungen, Preisverleihungen und der Präsentation neuer Teilnehmerschulen. Inmitten dieser anstrengenden, aber sehr ergiebigen Zeit fanden wir Schüler während des Service and Adventure Days etwas Abwechslung. Wieder aufgeteilt in Gruppen leisteten wir einerseits Dienst und erledigten diverse Arbeiten, wie das Säubern eines Strandes, das Restaurieren von Möbeln oder das Pflanzen junger Bäume. Auf der anderen Seite erlebten wir, wie es der Name schon sagt, am „Adventure Day“ spannende Ruderwettkämpfe, bauten Floße, lernten Selbstverteidigung, oder fuhren mit dem Mountainbike durch den „Verbotenen Wald“, wieder einer bekannten Örtlichkeit aus Harry Potter. An diesem Tag hatten wir Gelegenheit, uns auszutoben und auch einmal die Umgebung rund um Wellington kennenzulernen, was uns sehr gut tat.
Am letzten Morgen kam dann das, was wohl die geteiltesten Erwartungen hervorgerufen hatte: Der Wellington Race, während dem alle Schüler und die Lehrer, deren Gesundheit es zuließ, einen Lauf quer über das enorme Schulgelände und zum Ende auch noch durch den See wagten. Nach dieser großen Anstrengung fand am Nachmittag ein traditioneller Jahrmarkt statt, mit allem was dazugehört! Nicht nur verkauften Schulen aus aller Welt traditionelle Geschenke, sondern man konnte auch ein Puppenspiel anschauen und vielerlei andere Attraktionen erkunden, die unsere Gastschule für uns organisiert hatte. Auch der letzte Abend, an dem wir chic angezogen auf einen „Ball“ gingen, war ein voller Erfolg. An runden Tischen sitzend lauschten wir alle erst dem fantastisch spielenden Symphonieorchester der Schule und feierten später zu einer Liveband sehr ausgelassen auf unsere Weise den Abschied. Die Köpfe zum Himmel erhoben genossen wir ein gigantisches Feuerwerk, das diese wunderbare Zeit voll von neuen Erfahrungen und Erlerntem abrundete.
Traurig war es auf jeden Fall, den vielen Menschen, die man kennengelernt hatte, auf Wiedersehen sagen zu müssen, vor allem, da man doch wusste, dass dieser optimistische Spruch nur auf wenige der neuen Freunde zutreffen würde. Doch auch das Eigene der Schule, das an „Cafeteria“ erinnernde Essen, der Schulshop, in dem wir uns mit Souvenirs vollpackten, der wunderschöne Schwanensee und selbst die zwar kleinen und kalten, doch irgendwie trotzdem gemütlichen Häuser würden uns allen fehlen. Zwei von uns fuhren schon am Sonntag zurück, doch die drei anderen hatten im Anschluss an den Aufenthalt in Wellington noch die Gelegenheit, London zu entdecken. Auch von ihnen bekam ich nur positives Feedback und spürte ihre Begeisterung. Ich glaube, es war eine sehr gelungene Konferenz, und zwar vor allem dank der perfekten Organisation und dem Aufwand, der von unserer Gastschule betrieben wurde. Hierfür von uns allen ein riesiges Dankeschön an das Wellington College! Und auch Herrn Kelnhofer danken wir, für eine wunderbare Reise durch England, die wir, glaube ich, alle ganz toll fanden! Es ist erstaunlich, wie schnell zwei Wochen vorbeigehen können, doch ich bin sicher, dies ist ein Zeichen dafür, dass einfach jede Minute besonders war. Round Square hat wieder einmal gezeigt, wie wundervoll das ist, was es ermöglicht: Jugendliche zusammenzuführen in anderen Ländern und anderen Kulturen, und ihnen Momente zu schenken, die sie nie vergessen werden!

